Das fine art Portrait

Ich nennen mich „fine art Portrait-Fotografin“.

Wikipedia zum Thema: Die Absicht eines Porträts ist es, neben der Darstellung körperlicher Ähnlichkeit auch das Wesen bzw. die Persönlichkeit der porträtierten Person zum Ausdruck zu bringen. Daher zeigt das Porträt wegen der Bedeutung der menschlichen Mimik in der Regel das Gesicht der Person.

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Fine Art Portrait meint für mich, dass meine Arbeiten etwas mit Ästhetik und Purismus zu tun haben.

Aufgrund eines Artikels, in dem jemand sagt, er wäre seit 2006 Fotograf und ein Portrait von ihm würde € 500,00 kosten, habe ich versucht, unter Berufskollegen, eine Diskussion anzustoßen, in der es mir um die Qualität von Portraitfotografie ging.
Außerdem ging es mir um ein Thema, das mich in der letzten Zeit sehr beschäftigt, denn für mich sieht es so aus, als wenn immer häufiger Kollegen/Kolleginnen ihre Kamera an den Nagel hängen. Aktuell geht es um eine Quereinsteigern, die den Zustand des „Marktes“ beklagt. Sie will aufhören, dabei sind ihre Arbeiten wirklich gut und die Welt braucht gute Fotos.
Sie schreibt: „Ein weiteres Problem sind die vielen neuen, hochmodernen Jungfotografen, die ans Tageslicht kommen und aus Preisgründen steigen bei mir die Absagen. … Offensichtlich setzt sich meine Qualität nämlich nicht durch, …“
Sie ist hochgradig frustriert, das kann ich verstehen. Weiter lese ich bei ihr: „Was ist mit meiner Überzeugung,…Dass ich nicht nach dem Diktat des Geldes arbeite und im Härtefall jeden Auftrag annehme und selber noch anfange Dumpingpreise zu nehmen, damit ich überhaupt noch eine Überlebenschance habe? “
Mich hat das sehr betroffen gemacht.
Ich will mich nicht mit „Mangel“ beschäftigen und trotzdem tue ich es? Sehr traurig. Der erste Gedanke, der mir dann in den Kopf kommt ist der, dass ich keinen weiteren Beruf in der Schublade habe, den ich bei Bedarf rausnehmen und benutzen kann.

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Ich bin nur Fotografin!
Und ich liebe es. Es macht mich glücklich zu fotografieren.
Sicher, auch ich habe ab und an Problem mit der Fotografie genügend Geld zu verdienen, doch, ich habe keine Alternative. Ich habe eine Ausbildung und ein Studium auf dem Gebiet der Fotografie absolviert und ich denke, es sollte doch möglich sein, mit etwas, in dem ich qualifiziert bin, meinen Lebensunterhalt bestreiten zu können. 

Ich mache mir Gedanken über mein Marketing – ja sicher, über meine Preise und wie ich potentielle Kunden auf mich aufmerksam mache und an mich binde. Arbeite daran meinen Stil zu verfeinern und mich weiterzuentwickeln. Habe in den vergangenen Jahren viel gelernt und aktuell ein neues Projekt kreiert:
Die Homestory!  Dazu gibt es auch schon eine eigene Homepage*:Bildschirmfoto 2015-02-14 um 17.03.26

Zusammen mit der Tatsache den Beruf an den Nagel zu hängen, wird auch über Kritik an dem FotoBussiness gesprochen, an dem was „Mainstream“ ist, was die „Kunden“ wollen und was andere machen, usw. Auch ich habe schon oft Kritik geübt, und mich nicht beliebt gemacht. Ich habe damit aufgehört, zu kritisieren oder mir die Blogs von Mitbewerbern anzusehen, denn es langweilt mich immer und immer wieder das selbe zu sehen. Meist ist es weichgespült und rosarot. Da ist nichts, was mich inspiriert oder anregt, das ist nur Einheitsbrei.
Nein, ich will das nicht !
Das nicht!

Wo sind die innovativen Fotografinnen, die was Neues ausprobieren, gegen den Strom schwimmen?

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Als ich mein Fotostudio eröffnete, war für mich klar, dass ich nur in Schwarz-Weiß arbeiten möchte. Das halte ich auch durch und meine Kunden wollen das auch, ist mein Eindruck und ich versuche immer mehr wie eine Geschäftsfrau zu denken. Nun ist Fotografie die längste und beständigste Beziehung in meinem Leben, meine größte Leidenschaft und füllt einen großen Teil meines Lebens aus. Es geht mir niemals nur um den Kunden, wenn ich fotografiere, sondern auch um mich und meinen Selbstausdruck, wenn ich damit Geld verdiene, dann ist das toll, doch nicht das vorrangige Ziel. Das wird für mich immer klarer.
Dabei sagte ich gerade, ich hätte gelernt wie ein Geschäftsfrau zu denken – das ist ein Widerspruch, oder?
Was ich meine ist, dass mir meine Arbeit große Freude macht und, wenn ich eine neue Idee habe und umsetzen will, dann nicht, weil ich damit ganz viel Geld verdienen möchte, sondern, weil ich Lust auf eine fotografische Herausforderung habe.

Finanzieller Erfolg ist für mich nicht die Entschuldigung für jeden Mainstream-Einheitsbrei, sowie finanzieller Misserfolg für mich keine Aussage über Qualität ist.

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Ich dachte bisher, dass wir Fotografinnen und Fotografen, mit unseren Arbeiten, die Sehgewohnheiten unserer Kunden beeinflussen. Das wir bestimmen, was der Kunde zu sehen bekommt, wir es also in der Hand haben, wie sich der „Markt“, die Sehgewohnheiten entwickelt.

  • Ich kritisiere die Angst bei den Kollegen, seine Kunden an einen billigeren Nebenberufler zu verlieren.
  • Ich kritisiere die Einheitsbrei-Fotografie, die keine Handschrift mehr erkennen lässt.
  • Ich kritisiere, dass keiner mehr ein Experiment wagt.

Keiner hinterfragt mehr was Fotografie eigentlich ist, ist mein Eindruck.

Warum stört mich das?
Fotografie hat wesentlich zu sein!
Ich habe diese Meinung und, wenn ich die nicht jetzt sage, wann dann?

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Was Fotografie für mich ist habe ich schon oft beschrieben:
Bilder bewahren unsere schönsten Momente, unsere eigene Lebensgeschichte und lassen diese immer neu aufleben. Daher haben Bilder einen hohen persönlichen Wert. Das Betrachten von glücklichen Momenten löst positive Gefühle aus. Speziell gedruckte Fotos spielen dabei eine besondere Rolle.

Ich sorge dafür, dass sich meine Kunden bei mir wohl fühlen und dieses Fotoshooting ein unvergessliches Erlebnis für sie wird. Es scheint mir zu gelingen.
Doch es geht mir gar nicht darum hier das hohe Lied des Lobes über meine Arbeit zu singen, sondern darum, zu berichten, dass ich unter Berufskollegen eine Diskussion über die Qualität von Fotografie anstoßen wollte. Und wie mir scheint, ist das ziemlich in die Hose gegangen.
Vielleicht aber auch nicht, weil mir wieder mal klar gemacht wurde, dass, der einzige Mensch, den ich verändern kann, ich selber bin.

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Anmerkung einer Leserin:

Der Inhalt, also deine Meinung, deine Ansichten, dein für dich und andere zu stehen und zu „sehen“ haben mich tief beeindruckt. Es gibt nur noch wenige Menschen, die nicht nach dem Mund der anderen reden sondern bei sich bleiben. Die mit ihren eigenen Augen sehen und sich nicht „verblenden“, „verbiegen“ lassen. Davor ziehe ich meinen Hut! Und, was ich gesehen habe, einfach fantastische Fotos!!!!!! Natürlich „nur“ aus meiner Sicht!!!

MfG A. H.

 

*Die Homepage habe ich gestaltet, als meine Tochter ihren Sohn bekam, also in den Wehen „lag“. Die Nachricht, dass bei ihr die Wehen angefangen hatten, hat so eine eigenartige Spannung und so unbekannte Gefühle ausgelöst, dass ich unbedingt eine Beschäftigung brauchte, die meine ganze Aufmerksamkeit erfordert und mit der ich nichts kaputt machen konnte. Eine eigene Homepage bauen war da genau das richtige und sie war auch am Abend fertig, doch der Sohn meiner Tochter noch nicht geboren – das ist jedoch ein anderes Thema.
Die längste Zeit meiner Berufstätigkeit als Fotografin habe ich Reportagen fotografiert. Das Portrait war immer meine große Liebe. Beides zusammen zubringen finde ich eine tolle Idee. In der Hochzeitsreportage ist dies möglich und in einem kleineren Rahmen eben auch: in der Homestory, oder Lovestory.
Auf dieser Seite habe ich bereits zahlreiche Beispiele versammelt.