Selfie versus fine art Portrait

365 Millionen Selfies werden pro Tag gemacht und ins Netz gestellt. Das sagt mir, ein Bild von sich selber ist von hoher Bedeutung.

Das Portrait


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Das sind 2 Portraits (gemalt und fotografiert) des amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy

Das Wort „Portrait“ hat seinen Ursprung in der französischen Sprache und bezeichnet seit jeher das Abbild eines Menschen. Ein Portrait versucht in der Regel, die Person nicht nur äußerlich abzubilden, sondern auch ihr Wesen, bzw. ihre Persönlichkeit zum Ausdruck zu bringen.

So ein Portrait war bereits in der Antike beliebt. Damals wurde es gemalt. Im 17. Jahrhundert gewinnt die Portraitmalerei an Bedeutung und jeder Maler bietet sie an. Leisten konnte sich das jedoch nur die wohlhabenden Teile der damaligen Gesellschaft. Das änderte sich mit der Erfindung der Fotografie, im 19. Jahrhundert, denn nun konnte sich fast Jeder leisten, sich fotografisch portraitieren zu lassen.

Welche Rolle spielt die Porträtmalerei noch in der Kunst der Gegenwart? Ich weiß es nicht.

Daguerreotypie

Als die ersten Fotografien auf einer spiegelglatt polierten Metalloberfläche auftauchten, fühlten sich die damaligen Porträtmaler bedroht, weil nun ihre Arbeit preiswerter von anderen gemacht werden konnte. Es war jedoch so, dass die Malerei sich nun wieder anderen Aspekten widmen konnte. Da es die Malerei heute als Ausdrucksmittel immer noch gibt, war die Fotografie nicht ihr Ende, wie befürchtet wurde.

Der Maler und Erfinder Louis Daguerre im Jahr 1844, Daguerreotypie von Jean-Baptiste Sabatier-Blot (1801–1881); die Farbreproduktion gibt das Erscheinungsbild einer unter optimalen Bedingungen betrachteten Daguerreotypie getreu wieder

Digitale Fotografie

Die erste Kamera, die als Vorreiter der heutigen Digitalkamera angesehen werden kann, wurde als „Portable all electronic still camera“ bezeichnet und war ein 1975 von Steve Saison bei Kodak entwickelter Prototyp. Das Potential der Entwicklung wurde jedoch nicht erkannt, und so gilt gemeinhin die 1981 von Sony unter dem Namen Mavica vorgestellte erste kommerzielle Kamera nach demselben Funktionsprinzip als „Ur-Digitalkamera“. Allerdings arbeitete diese Kamera, wie der Name schon vermuten lässt, mit einem Magnetband (auch Video Floppy genannt), welches keine digitale Speicherung der Daten zuließ.
1992, auf der photokina in Köln, präsentierten nahezu alle namhaften Firmen aus den unterschiedlichsten Bereichen ihre Prototypen. Neben klassischen Kameraherstellern wie etwa Kodak und Rollei waren der Videogigant Sony und Leaf ebenfalls mit Digitalkameras vertreten.
Nur zwei Jahre später, 1994, lautete das Motto der photokina schon „digital total“ und machte deutlich, wohin die zukünftige Entwicklung gehen würde. Allerdings übten sich die Verbraucher bei einem anfänglichen stolzen Preis in Zurückhaltung, und so blieb der Kundenkreis für die neuen Kameras in den Folgejahren in überschaubarem Rahmen.

Wir wissen, wie revolutionär die Entwicklung auf diesem Gebiet in den vergangenen 20 Jahren fortgeschritten ist und, dass wir heute ein Telefon haben, das sicher bessere Bilder macht als die erste Digitalkamera es konnte.

Auch ich mache hin und wieder gerne Selfies.

Selfie versus Portrait

Mein Enkel wurde gerade 2 Jahre alt und, wie schon ein Jahr zuvor, bekam er wieder eine dickes Fotobuch mit Fotos, die im vergangenen Jahr entstanden waren. Ein Gast sah sich das Buch an und ich entdeckte dieses Fragezeichen in seinem Gesicht, das dann in dem Satz mündete:
Das sind aber keine Handyfotos?“

Was sagst mir das?

U.a. dass meine potentielle Kunden, die sicher alle ein Handy haben und selber fotografieren, unterscheiden können, zwischen ihren Selfies und hochwertigen fine art Portraits aus einem Fotostudio.

Um was geht es mir?

Darum, das sich die Situation der Fotografie insg. und im besonderen die der Portraitstudios, seit der Erfindung der Digitalkamera stark verändert bzw. verschlechtert hat.
Gute digitale Kameras wurden immer bezahlbarer und inzwischen haben sich viele Menschen entschlossen ihr ambitioniertes Hobby zum Beruf zu machen: Die Fotografie.
Nun gibt es ja viele Bereiche, in denen sich ein Fotografierender austoben kann, ich will mich hier auf das Portrait, der Königsklasse der Fotografie – wie ich finde, beschränken, weil das der Schwerpunkt meiner Arbeit ist.
Ich will nicht unerwähnt lassen, dass viele dieser ambitioniertes Hobbyisten nach ein paar Jahren wieder in ihren ehemaligen Beruf zurückgekehrt sind, weil sie einfach nicht den Erfolg hatten, den sie sich wünschten, als sie starteten. Auch will ich nicht verschweigen, dass sehr viele Seiten- Quer und anders Einsteigende ins Gebiet der Fotografie, richtig gut und wahnsinnig erfolgreich sind. Vor allem, wenn sie Workshops für Männer zum Thema AKT anbieten.
Überhaupt scheinen Workshops gerade sehr angesagt zu sein. Für mich bedeutet das, alle haben begriffen, dass es darum geht etwas NEUES zu lernen, etwas, dass sie bisher noch nicht haben, oder?

Fotoateliers  – Fotostudios …

…haben immer noch den Ruf angestaubt und nicht auf der Höhe der Zeit zu sein.
Warum ist das so?

  • Weil die Besitzer vielleicht so einiges versäumt haben?
  • Ihnen nicht aufgefallen ist, dass die Handys interessantere Fotos machen als sie?

Ich stelle einfach mal die These auf, das sich einige Fotoateliers immer noch als Dienstleister sehen anstatt als Autoren mit eigener Handschrift.


Autorenfotografie

Soweit ich mich erinnere, wurde dieser Begriff von Klaus Honnef aus der Taufe gehoben. Er meinte jedoch etwas anderes damit, als ich aktuell. Ich will mit dem Begriff Autorenfotografie auf folgendes hinweisen:
Wir müssen unsere eigene Handschrift entwickeln, die unverkennbar immer wieder auf uns zeigt.

Wie ich zu Anfang dieses Beitrages feststellte, besteht immer noch ein großes Bedürfnis sich ein Bild von sich selber zu machen – warum auch nicht. So wie die Erfindung der Fotografie im 19. Jhr. das Portrait demokratisierte, scheint es mir, dass das Handy, mit seiner Fähigkeit Selfies zu erzeugen, dies auch für das 21. Jhr. vorgibt.
Das bedeutet jedoch nicht, dass auf die Anfertigung hochwertiger und individueller Portraits verzichtet werden kann, denn nicht immer ist ein Selfie wirklich zielführend.
Das fotografische Portrait ist kontextabhängig. Ich will damit sagen, dass es einen Unterschied macht, ob das Foto als Geschenk oder für die Karriere genutzt wird. Fotografische Portraits übermitteln spezifische Inhalte und/oder Positionen, das tut ein Selfie auch, doch ob letzteres jeden gewünschten oder erforderlichen Zweck erfüllt ist fraglich.

Passfotos! Manche Kollegen behaupten, die würden ihnen die Miete ihres Studios bezahlen, kann sein, ich mache sie nicht. Weil die Qualität, in denen diese gebraucht werden, auch von einem Automaten gemacht werden kann – eine weitere These von mir.

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Das Produkt

Ein Fotostudio bietet „Produkte“ an. Ja, so kann man es nennen. Mir sagte ein Kunde mal, der auch Verkaufstrainer war, ich solle nicht sagen : „ …das kostet!“ sondern „ …das bekommen Sie für…
Fand ich überzeugend.
Ja, ich gebe zu, wir sollten lernen unsere 
Produkte“ zu verkaufen, also die richtigen Worte finden, mit denen wir sie anpreisen, entweder im persönlichen Gespräch, auf unserer Homepage und in unserem Newsletter.

Marketing – Marketer

Marketing ist wichtig und funktioniert im 21. Jhr. auch anders als noch im 20. Jhr. Das haben leider noch nicht alle, die mit der Fotografie ihren Lebensunterhalt verdienen wollen oder müssen, begriffen. Es wird höchste Zeit sich darauf einzustellen, sich zu informieren und zu lernen.

Erfolg

Das sozial web ist voll von erfolgreichen, selfmade Menschen. Auf seinen unterschiedlichen Plätzen treffen sich erfolgreiche online Marketer, auf die dann alle neidisch blicken. Verkaufsprofis oder die, die den Beruf der Fotografie niemals gelernt haben und erst dazu kamen als Photoshop erfunden wurde. Photoshop ist eine tolle Software und es gibt Künstler, die was ganz Neues und Eigens damit schaffen, sie schaffen jedoch keine Fotografie, wie ich sie meine, vor allem keine Portraits. Ich will ihr Fähigkeiten nicht schmälern, doch es sind Visuell Artist und keine Fotografen – doch eigentlich ist es mir nicht wichtig, wie sie sich nennen. Was ich damit sagen will ist, dass zig tausend Follower oder Likes bei FB keine Aussage über Qualität der Arbeiten sein kann und zu einem wirklich guten Portrait eben mehr Können erforderlich ist als sich mit Photoshop gut auszukennen.

Mainstream – Massengeschmack

Der Mainstream in der Fotografie spiegelt den kulturellen Geschmack einer großen Mehrheit wider. Diese entstand durch die massenhaft ins Netz gestellten Fotos, die massenhaft seit der Erfindung der Digitalen Fotografie erzeugt werden konnten. Das bedeutet jedoch nicht, dass ich als Fotografin mich daran orientieren muss.
Neulich habe ich folgendes geschrieben:

Das Netz/WEB ist voll mit Fotos von jungen, bildhübschen Frauen, oder mit Fotos, die mit Zuckerguß überschüttet zu sein scheinen, glibbrig und klebrig sind, wie ein Lolly.
Sich in solchen Zeiten selber treu zu bleiben, als Fotografin, ist eine echte Herausforderung, ehrlich! Denn die Anderen haben tausende von Fans und scheinen somit alles richtig zu machen, oder? Doch, ich betone es ausdrücklich:
Ich wollte, will und werde niemals dem Mainstreamgeschmack entsprechen.
Auch, wenn ich Spuren hinterlassen möchte auf dieser Welt, möchte ich Fotografien hinterlassen, die menschlich, authentisch und schön sind, die Gefühle zeigen oder ansprechen, echte Gefühle. Alles andere ist nur „modern“, ohne Stil und Klasse.“

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Um was geht es mir?

Das kann ich noch nicht so einfach in Worte fassen, auch darum, weil es mir auch noch nicht so richtig klar ist.
Ich und auch andere, beklagen den Rückgang von Aufträgen. Die Nachfrage nach unseren Produkten scheint zurückgegangen zu sein. Doch ist es wirklich so, oder haben sich die Ansprüche unserer potentiellen Kunden einfach nur verändert?
Wirken die Bauchladenproduktpalette, die Fotostudios in der Regel anbieten, eher abschreckend auf interessierte Kunden als anziehend?

Ich befürchte, es geht um die Qualifizierung jedes Einzelnen und darum, einen eigene Handschrift zu finden, die sich vom Mainstream abhebt, konsequent abhebt und somit zu etwas Besonderem wird.

Unsere Kunden wollen immer noch ein Portrait von sich, ein Bild, dass sie in ihrer Einzigartigkeit zeigt zeigt. Individuell und was besonderes ist, eben kein Mainstream – davon bin ich überzeugt und auch davon, dass wir unsere Produkte auch auf individuelle und authentische Art und Weise anbieten sollten, so wie es uns entspricht.

Ich habe jedoch keine Ahnung wie das gehen kann/wird.

Vielleicht beginne wir mal damit und fragen uns, warum wir eigentlich in diesen Beruf gekommen sind?

  • Was war der Grund?
  • Warum wollten wir es unbedingt tun?
  • Warum wollen wir immer noch Fotos machen?

Mir würde eine breite Diskussion zu diesem Thema wirklich gefallen.

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smart as photography – Die Wucht des Wandels

Internationale Experten sprachen auf der DGPh-Tagung zur Photographie mit dem Smartphone in Mannheim. Es geht um die Veränderungen und die Zukunft der Fotografie (seit dem 9. Januar 2007, dem Tag, als das erste iPhone vorgestellt wurde). Leider sind die Vorträge alles ziemlich lang und ich habe einfach nicht die Geduld und Zeit mir alles anzusehen und, was besonders anstrengend ist, die meisten Vorträge sind in Englisch gehalten. Es geht auch um das Thema wie sich unsere Kommunikation mit dem SmartPhone verändert hat – sehr interessant. Zum Thema Fotografie habe ich das hier entdeckt:

THE SMART VIEW- #smartasphotography from Rosa Roth on Vimeo.

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Es ist die Zusammenstellung von Fotografien, die mit dem #smartasphotography auf Instagram eingereicht wurden. Rosa Rot, die Herausgeberin des Magazins „The Smart View“, hat dazu aufgerufen und die Auswahl kurartiert.
Ich bin tief beeindruckt.
Es lässt mich, erneut, nachdenken über das was ich als Fotografin mache und wohin es mich führen wird, bzw. soll/kann. Ich meine sowohl mein Business als auch mich als Fotografin.

Und hier zwei von meinen aktuellen iPhone o graphien.

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Nutella ist aus

Das ist eher ungewöhnlich für mich. Was? Das ich um 6:00h in der Früh wach werde und Hunger habe.

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Apropos „Früh“. Ich bekenne mich „schuldig“, habe ich mich gestern doch zu einem „Früh“ eingeladen. Einem Bier, das in Köln gebraut wird. Was mich deswegen schuldig macht?

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Leute, ich wohne in Düsseldorf. In einer Stadt mit einer eigenen Biertradition.

Zurück zu dem, was mich so früh wach werden lässt. Ich denke, es war u.a. die Begegnung mit meiner Vergangenheit, bzw. mit Personen aus meiner Vergangenheit

 

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Im Düsseldorfer Kulturbahnhof Eller war die Finissage zur Ausstellung von Toni Tripp. Diese war von Udo Achten aus dem Nachlass des Fotografen kuratiert worden. Es ist ein sozialdokumentarische Fotografie. Mit Manfred Tripp, dem Sohn von Toni Tripp, habe ich zusammen gearbeitet, eine Zeit lang.img_1403

Dann war da auch noch Klaus Rose und Manfred Vollmer, zwei Fotografen-Kollegen, die ich aus meiner Zeit als Fotojournalistin kenne.

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Wir waren keine dicken Freunde, Kollegen halt, die auch in Konkurrenz standen. Denn, wenn mein Bild genommen wurde, um in einer Zeitung gedruckt zu werden, dann waren es deren nicht. Damals gab es jedoch jede Menge Zeitungen und Magazine die unsere Bilder druckten und die beiden hatten jeweils auch Frauen, die ihnen den Rücken freihielten, also Energie und Zeit genug ihr jeweiliges Geschäft ausbauen zu können. Trotzdem gab es Spannungen hinsichtlich der Annahme, dass der ein oder andere „ältere Rechten“ hätte, also „Erbhöfe“, um für die ein oder andere Zeitschrift zu arbeiten. Als Frau habe ich damals oft schmerzlich den Kürzeren gezogen.

Beide, Vollmer und Rose, sind inzwischen Rentner, wie sie sagen, doch auch noch aktiv, wie auf ihren Homepages zu sehen ist. Es fehlte Manfred Scholz (1934 – 1996), der leider viel zu früh verstorben ist. Das war eine spannende Zeit, ich meine die 70er und 80er Jahre des letzten Jahrhunderts. Es gab Arbeitskämpfe, soziale Auseinandersetzungen und die Frauenbewegung. Alles in einer anderen Qualität als sie aktuelle stattfinden. Die Medien waren noch andere und wir waren es auch. Im Kulturbahnhof Eller lag der Katalog einer Ausstellung aus, an der ich teilgenommen habe: „Düsseldorfer Fotografinnen“. Ich erinnere mich noch gut an die Diskussionen die es im Vorfeld gab. Ich z.B. legte Wert darauf, in meiner Biographie zu vermerken, wann und das ich Mutter geworden bin. Die anderen Frauen wollten das nicht, wollten sich eher „geschlechtsneutral“ darstellen.

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Beate und die alten Männer, wäre diese Episode auch zu überschreiben, denn sie sind älter als ich, einige schon über 80, andere fast. Und da ist auch Udo Achten, der sich das Genick gebrochen hat welches mit einem Stahlstifft geflickt wurde und den ich mir nicht vorstellen kann, ohne ein aktuelles Buch- oder Ausstellungs-Projekt vor der Brust, trotz seiner 73, die er im November wird. Warum hat er eigentlich noch nie was mit mir gemacht? Ich meine eine Buch oder Ausstellungsprojekt – muss ich ihn mal fragen.

Ich habe mich gefreut sie zu treffen und gleichzeitig hat es mir bewusst gemacht, dass ich mich darum kümmern muss mein eigenes analoges Archiv aufzubereiten.
Wieso habe ich dafür noch keine Zeit gefunden?
Dann hat es mir wieder mal bewusst gemacht, dass es gut ist, ab und an aus der Zeit zu fallen und sich anzusehen, wie das eigene Leben bisher verlaufen ist um festzustellen was frau schon alles geschafft hat.

Mir hilft das  mich selber zu verorten, im hier und jetzt.
Doch, was ist mein Bezugssystem?
Mein Leben?
Heute habe ich Kundinnen, die nehmen eine zweistündige Autofahrt auf sich, um von mir fotografierte zu werden. Damals hatte ich mein Fotolabor in meiner Wohnung, war Alleinerziehende, Studentin, und freiberufliche Fotojournalistin.
Meine Leben war immer randvoll. Mein Leben ist immer noch randvoll – oder?

Darüber werde ich mal beim Frühstück nachdenken. Als ich wach wurde, hatte ich Hunger, und zwar auf ein Nutella-Brot, doch, was musste ich feststellen? Siehe Titel dieses Beitrages….

Günter Zint

Bildschirmfoto 2016-06-27 um 10.17.22Marianne Fritzen – 1979 bei ihrer ersten Straßenblockade in Gorleben.  Bild: Günter Zint / Panfoto 

Persönlich getroffen habe ich Günter Zint, weil wir beide Mitglied der Deutschen Journalistinnen- und Journalisten-Union in der Verdi sind. Ich weiß nicht genau wann ich ihn getroffen habe, es muss in den 70er oder 80er Jahren gewesen sein und er war sehr beeindruckend, als Mensch und als Fotograf. Leidenschaft und Idealismus ist das, was ihn angetrieben hat und wohl auch noch antreibt und seine große Liebe zu St.Pauli.
Diese Art von Fotografen, wie Günter Zint einer war und ist, die ihre Arbeit reflektieren und sich auch engagieren und deren Leidenschaft in allen ihren Arbeiten zu sehen ist, braucht unsere Welt so dringend wie die Luft zum atmen. Bei YouTube gibt es sehr schöne Videos mit ihm, in denen er aus seinem Leben und über seine Arbeit erzählt.

Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!
Günter Zint wird heute 75 Jahre alt!

Was ist gute Fotografie? – z.B. Robert Frank

Auch ihn entdeckte ich während meines Studiums.
Was für eine Offenbarung.
Das waren eben noch andere Zeiten, damals 1955, als er das Guggenheim-Stipendium bekam.

Robert Frank reiste durch die USA machte 28.000 Fotos, von denen er 83 zu seinem Buch „Die Amerikaner“ zusammenstellte.


       

Er hat mit seinem Stil Generationen, oder  zumindest die meiner Kommilitonen, beeinflusst, das ist mal klar.

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Bücher von Robert Frank

Was ist gute Fotografie?

Heute gibt es einen Beitrag von Dr. Thomas Soddemann.

Ihn habe ich auch virtuell getroffen und schätzen gelernt. Er ist Software Architekt und im Nebenberuf Fotograf und hat eine eigene Webseite.


Beate fragte mich, ob es bestimmte Fotografien von jemanden gibt, die ich gut finde und warum. Sofort kamen mir natürlich ein paar großartige Fotografen in den Sinn, deren Bilder ich sehr gerne mag – eigentlich vielmehr: geradezu faszinieren. Und zwar so sehr, dass ich sie mir immer wieder ansehen muss. Diese Fotografen (und -innen natürlich) setzen ihre Schwerpunkte allerdings in verschiedenen Genres. So sind sie untereinander nur schwer vergleichbar. Daher war meine Aufgabe zunächst, mich auf eine Art der Fotografie festzulegen.

Dabei war mir eingefallen, dass ich neulich bei issuu.com ein wenig gestöbert hatte. Denn dort sind sehr viele Ausgaben aktueller internationaler Foto-, Mode-, und Kunstzeitschriften online. Insbesondere stößt man da auch auf weniger bekannte aber durchaus genial gemachte Fotografiezeitschriften und Magazine der gegenwärtigen Kunst. Nun, bei dieser kleinen Recherche stieß ich auf die Fotografien von Lottie Davies und Morgan Norman.

Leider hat Lottie Davies genau die Fotos, die mir dort so gut gefielen nicht auf ihrer Homepage. Und wie bei Lottie Davies finden sich auch bei Morgan Norman Fotos im Portfolio, die ich dann doch so gar nicht mag.

Wen finde ich den noch gut?

Zu meinen Lieblingsfotografen gehören sicherlich auch Michael Grecco, Brooke Shaden, die Bechers und natürlich auch Pete Souza. Es blieb also nicht so einfach. Allerdings, Pete Souza hatten wir ohnehin schon.

Zur Zeit beschäftige ich mich selbst intensiv mit Portraits. Und da mag ich nun einmal Portraits, die klar und gezielt eine Persönlichkeitsfacette zeigen bzw. sich auf ein Facette konzentrieren. Das darf gerne übertrieben sein, sogar in surrealer oder comic-hafter Überzeichnung gibt es einige Werke, die ich einfach klasse finde. Solche Portraits sieht man natürlich häufig in der Werbung und nicht selten auch im weiteren Bereich der Modefotografie.

John Keatley ist einer der Fotografen, die diese Art der Fotografie extrem gut beherrschen, aber natürlich auch David E. Jackson oder Brad Trent.

Ebenso findet man die Darstellung von Persönlichkeitsfacetten auch in einer weiteren Art von Portraits, den sog. „environmental portraits“. Das sind Portraits, die in der „natürlichen“ Umgebung der porträtierten Person entstehen.

Und jemand, der trotz seiner jungen Jahre ein Meister darin ist, heißt Joey L. aus NYC. Bei ihm verschwimmt die oft die Grenze zwischen Reportagefotografie und Kunst. In seinen Portraits schafft er es eine starke Bindung zwischen Betrachter und Darsteller herzustellen. Dabei zeichnen sich seine Portraits in den freien Arbeiten durch eine recht einfache Lichtsetzung meist in Kombination mit gegebenen Licht aus. In seinen Auftragsarbeiten wird die Lichtsetzung allerdings mitunter dann komplexer. Für mich gehören seine Werke definitiv in die Kategorie „Ich muss immer wieder hinsehen.“.

Gestoßen bin ich auf ihn übrigens mit seinem Projekt über die Holy Men in Indien. Der Filmemacher Cale Glendening hatte seinerzeit Joey begleitet und einen Film über das Projekt gedreht:

Varanasi, India: „Beyond“ from Cale Glendening on Vimeo.

Joey war aber auch in anderen Teilen der Welt unterwegs und aktuell sogar mit Peschmerga-Kämpfern in Syrien: „Guerrilla Fighters of Kurdistan„. Vor allem dieses Projekt hat mich wahnsinnig beeindruckt.

Guerrilla Fighters of Kurdistan from Joey L on Vimeo.

Was ist gute Fotografie? – z.B. Warren Richardson

Peter Meyer, der hier etwas über das „World Press Photo of the Year“ von Warren Richardson schreib, ist mir durch sein Streetfotografie aufgefallen, schwarz-weiß, was sonst. Diese habe ich via Facebook entdeckt.


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Über dieses Foto ist bereits viel (negatives) berichtet worden. Aber ich versuche zu erklären, warum ich mich trotzdem für dieses Foto entschieden habe.

Zuerst einmal ist es ein SW-Foto. Ich mag vorwiegend SW-Fotos. Das kann ich nur schwer erklären, warum ich meist nur SW-Fotos mag. Aber Farbe hat für mich immer etwas oberflächliches. Sicher, es gibt auch gute Farb-Fotos. Aber für mich sind es meist SW-Fotos, die mich wirklich bewegen. Alle Fotos, die meine Generation geprägt haben, waren SW-Fotos. Das hat sicherlich auch mit meinem Alter zu tun. Die Generation, die jetzt mit dem Smartphone aufwächst, wird sich sicherlich später für Farb-Fotos entscheiden. Aber mein Blick auf die Welt ist durch SW-Fotos geprägt worden. Und ich liebe nunmal SW-Fotos!
Dann ist das Foto sehr dunkel, mit sehr viel dunklen Schatten. Ich mag diese Art von SW-Fotos. Dadurch bekommt ein Foto für mich „Tiefe“ und „Prägnanz“. SW-Fotos tut es sehr gut, wenn sie etwas dunkler sind, sei bekommen dadurch mehr „Tiefe“. Dazu kommt die Körnigkeit und die leichte Unschärfe des Fotos, das die Dramatik dieses Foto noch steigert. Sicherlich tut auch die Situation auf dem Foto einiges dazu: Es ist Nacht, eine Flüchtlingsfamilie versucht mir ihrem Kind einen Stacheldrahtzaun irgendwo auf dem Balkan zu überwinden. Die Dunkelheit der Nacht, die Gehetztheit im Blick des Vaters, der das Kind durch den Zaun zu den Armen der Mutter trägt alles zu dem Gesamteindruck des Bildes bei.
Es ist schon vor der Veröffentlich des Gewinnerbildes vermutet worden, daß ein Bild mit Flüchtlingen, wahrscheinlich sogar mit einem Kind, diesen Wettbewerb gewinnen würde. Viele Kritiker fühlten sich nach der Benennung des Gewinners bestätigt. Aber was spricht dagegen, ein solches Foto einzureichen? Die unglaubliche Flüchtlingssituation auf dem Balkan und in Griechenland bestand und besteht immer noch. Nur weil ein solches Thema bereits tausend mal in der Presse und in den Nachrichten war, bedeutet doch nicht, daß man darüber nicht mehr mit solchen Fotos berichten soll. Der Krieg in Syrien dauert schon 5 Jahre und es wird immer noch über ihn berichtet.

Und ein gutes Foto zeigt in der Einzelartigkeit eines einzelnen Moments (Das macht ja die Fotografie, sie hält einen einzigartigen Moment fest!), was solche eine Situation für jeden Menschen an Emotionen bedeutet: Angst, Gehetztheit und Verzweiflung. Und das kommt perfekt in dem Foto von Warren Richardson rüber. Pure Emotion!
Ich habe sehr viel Respekt vor den Fotografen, die überall auf der Welt in Krisen und in Kriegen solche Bilder machen. Die Welt ist nicht „heil“ und sie braucht solche Fotos, um immer wieder auf diesen Zustand hinzuweisen. Solange die Welt so ist, wird es solche Fotos geben. Mag auch die Kritikerszene sich darüber negativ äussern, „but that´s the real life“!

Peter Meyers Fotos sind auch hier zu finden fotocommunity

Was ist gute Fotografie? – z.B. Nan Goldin

Jana März, die heutige Autorin, kenne ich nur virtuel. Ich glaube, es war ein WordPressProblem duch das wir erstmal in Kontakt kamen. Seit dem bekomme ich ihren Newsletter und sehe was sie so macht und finde es interessant.
Als ich ihren Beitrag zu Nan Goldin laß, hat mein Herz gehüpft, den diese Fotografin kenne und schätzee ich ebenfalls.


 

Als mich Beate fragte, ob ich nicht ein Lieblingsbild von einem Lieblingsfotografen vorstellen könnte, da sagte ich spontan zu. Wie das so ist mit der Spontanität, fiel mir erst beim Heraussuchen auf „Wen nehme ich denn nun?“ Annie Leibowitz hat schon mein Kollege ausgesucht, denn sie mag ich mit ihren aufwändigen Fantasy-Monumentalbildern sehr. Und dann konnte ich mich nicht zwischen Hiroshi Sugimoto (Seascapes bzw. Diorama Serie) und Nan Goldin entscheiden. Beide sind unglaublich stark und doch so unterschiedlich. Letztendlich möchte ich eines meiner Lieblingsbilder von Nan Goldin vorstellen.

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Durch Zufall entdeckte ich vor ein paar Jahren eine Fotostrecke von ihr, die sie für Dior in New York im Jahr 2013 angefertigt hat. Diese Porträtserie hatte mich sehr berührt, sie ist sehr sexy, sinnlich und stark. Einige Bilder in der Serie sind Landschaftsfotografien, die aber nicht menschenleer sind.
Das Bild, das mich in der Serie am meisten berührt, ist eigentlich eine Fotografie voller »Fehler«: ein schiefer Horizont, ein mittig platziertes Pärchen, der Mann mit abgeschnittenen Beinen. Das Bild würde in jeder Community und in jedem Fotoklub zerrissen werden. Trotzdem liebe ich diese grobkörnige Schwarz-Weiß-Aufnahme. Es erzählt die Geschichte einer tiefen Liebe. Der Mann trägt die Frau über den nassen Strand, fest in seinen Armen, die Wellen im Hintergrund sind aufgewühlt, der Himmel trist und grau. Der Gesichtsausdruck des Mannes ist voller Gefühl, und er spreizt die Hände, um die Frau fester zu halten. Sie hat die Arme um ihn und ihren Kopf an seine Schulter gelegt. Sie fühlt sich geschützt und geborgen. Seine Fußspuren sind im Sand erkennbar, und gleichzeitig sieht man die nächste Welle herankommen, die diese fortspülen wird.
Ein Bild, das nicht nur viel zwischenmenschliches Gefühl zeigt, sondern auch Veränderung und Vergänglichkeit.

Ich liebe dieses Bild, obwohl es alle Regeln der Fotografie missachtet, einfach weil es eine Geschichte erzählt, die mich träumen lässt.

Dieses Beispiel zeigt für mich, dass das starre Festhalten an Regeln nicht zielführend ist. Es geht dabei um die Geschichte und weniger um fototechnische Perfektion. Sicher ist es richtig, alle bekannten Kompositionsregeln zu verinnerlichen, zu kennen. Allerdings nützt die sture Umsetzung aller Regeln wenig, wenn man nicht sein ureigenstes Bauchgefühl in die Fotografie mit einbringt. Die großartigsten Fotografien wären nie entstanden, wenn der Fotograf stundenlang überlegt hätte, ob er das Motiv nach dieser Regel oder eher nach einer anderen hätte platzieren sollen. Vor Ort, in dem Moment des Geschehens, zählt der gefühlte Augenblick. Und das zeigt dieses Bild.
Gleichzeitig ist das Bild jedoch ebenso ein Beispiel für mich, das auch kommerzielle Bildserien mit gecasteten Schauspielern authentisch sein können. Auftragsarbeiten können genauso berühren, wenn wir – die Fotografen – mit Herz und Seele dabei sind. Wenn aus einem Beruf Leidenschaft wird.

Dies ist der Film zur Kampagen die Nan Goldin für Dior fotografiert hat.

Und es gibt auch dieses Buch

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Bücher zu Nan Goldin




Was ist gute Fotografie? – z.B. Sebastião Salgado

Die Fotografin Erika Koch, die diesen Beitrag geschrieben hat, und ich danke ihr sehr dafür , kenne ich wirklich schon sehr, sehr lange. Wir hatten den gleichen Ausbildungsbetrieb, hier in Düsseldorf. So lange kennen wir uns. Wir hatten uns ein paar Jahre aus den Augen verloren und nun wieder getroffen.


 

Bildschirmfoto-2016-04-03-um-22.18Der Brasilianer Sebastião Salgado, der als Photodokumentarist geführt wird ist für mich einer der ganz grossen, zeitgenössischen Fotografen und Künstler.

Wie Paul Klee sagt: „Kunst bildet nicht ab sondern macht sichtbar.“
So zeigt Salgado in all seinen Arbeiten die klare Haltung eines Künstlers.

Seine Arbeit ist nie voyeuristisch, sondern voller Respekt für sein fotografiertes Gegenüber. Gleich ob er sich mit den Goldgräbern in Brasilien oder den Hungernden in Ruanda beschäftigt. Die Armut das Leid der Schmerz wird nicht ästhetisiert, sondern der Respekt dieser Fotos sind die Augenöffner und der Zugang zu all den schwierigen Themen die er uns aufzeigt. All denen die sich für diesen Fotografen interessieren empfehle ich 2 Dokumente Sebastião Salgado  „Das stille Drama der Fotografie“.

und den Film  von Wim Wenders: „Das Salz der Erde“

Diese beiden Dokumentationen geben für mich am Besten die besondere Haltung dieses Künstlers wieder. Interessant ist für mich, nachdem ich die Ausstellung Genesis, 3 mal sehen konnte, in Madrid, Stockholm und Lissabon, ich feststellen muss das es selbst Profis unterläuft nicht das rechte Maß für das Ausstellungsformat zu finden. Viel zu viel zu dicht gehängt! Auch für dieses grossartige Werk gilt für mich „Weniger ist Mehr „.

Erika Koch am 3.4.2016


 

Bücher von Sebastião Salgado

Was ist gute Fotografie? – z.B. Vivian Maier

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Vivian Dorothea Maier

* 1. Februar 1926 in New York City  – † 21. April 2009 in Chicago.

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Habe mir endlich den Film über diese Frau und Fotografin angesehen und bin tief beeindruckt. Es ist fast unerträglich zu wissen, dass sie niemals erfahren wird, welchen Wert ihre Arbeit hat und was für eine geniale Fotografin sie war.

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Ihre Fotografien erinnern an die Arbeite von Robert Frank, Lisette Model, Helen Levitt oder Diane Arbus. Wenn Vivian Maier zu ihren Lebzeiten jemals ihre Fotografien einer Öffentlichkeit gezeigt hätte, wäre sie sicher ebenso berühmt geworden wie diese.
Mary Ellen Mark sagt in dem Film, dass ein Teil des Puzzel zu fehlen scheint, um sie Vivian Maier zu verstehen.
Über 150 000 Negative hat sie hinterlassen, unglaublich. Ihre Selbstportraits sind schon was besonderes.
Ich bin tief beeindruckt und fast sprachlos angesichts dieses Werkes..

Hier ein paar ihrer grandiosen Fotografien

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