Was ist gute Fotografie? – z.B. Warren Richardson

Peter Meyer, der hier etwas über das „World Press Photo of the Year“ von Warren Richardson schreib, ist mir durch sein Streetfotografie aufgefallen, schwarz-weiß, was sonst. Diese habe ich via Facebook entdeckt.


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Über dieses Foto ist bereits viel (negatives) berichtet worden. Aber ich versuche zu erklären, warum ich mich trotzdem für dieses Foto entschieden habe.

Zuerst einmal ist es ein SW-Foto. Ich mag vorwiegend SW-Fotos. Das kann ich nur schwer erklären, warum ich meist nur SW-Fotos mag. Aber Farbe hat für mich immer etwas oberflächliches. Sicher, es gibt auch gute Farb-Fotos. Aber für mich sind es meist SW-Fotos, die mich wirklich bewegen. Alle Fotos, die meine Generation geprägt haben, waren SW-Fotos. Das hat sicherlich auch mit meinem Alter zu tun. Die Generation, die jetzt mit dem Smartphone aufwächst, wird sich sicherlich später für Farb-Fotos entscheiden. Aber mein Blick auf die Welt ist durch SW-Fotos geprägt worden. Und ich liebe nunmal SW-Fotos!
Dann ist das Foto sehr dunkel, mit sehr viel dunklen Schatten. Ich mag diese Art von SW-Fotos. Dadurch bekommt ein Foto für mich „Tiefe“ und „Prägnanz“. SW-Fotos tut es sehr gut, wenn sie etwas dunkler sind, sei bekommen dadurch mehr „Tiefe“. Dazu kommt die Körnigkeit und die leichte Unschärfe des Fotos, das die Dramatik dieses Foto noch steigert. Sicherlich tut auch die Situation auf dem Foto einiges dazu: Es ist Nacht, eine Flüchtlingsfamilie versucht mir ihrem Kind einen Stacheldrahtzaun irgendwo auf dem Balkan zu überwinden. Die Dunkelheit der Nacht, die Gehetztheit im Blick des Vaters, der das Kind durch den Zaun zu den Armen der Mutter trägt alles zu dem Gesamteindruck des Bildes bei.
Es ist schon vor der Veröffentlich des Gewinnerbildes vermutet worden, daß ein Bild mit Flüchtlingen, wahrscheinlich sogar mit einem Kind, diesen Wettbewerb gewinnen würde. Viele Kritiker fühlten sich nach der Benennung des Gewinners bestätigt. Aber was spricht dagegen, ein solches Foto einzureichen? Die unglaubliche Flüchtlingssituation auf dem Balkan und in Griechenland bestand und besteht immer noch. Nur weil ein solches Thema bereits tausend mal in der Presse und in den Nachrichten war, bedeutet doch nicht, daß man darüber nicht mehr mit solchen Fotos berichten soll. Der Krieg in Syrien dauert schon 5 Jahre und es wird immer noch über ihn berichtet.

Und ein gutes Foto zeigt in der Einzelartigkeit eines einzelnen Moments (Das macht ja die Fotografie, sie hält einen einzigartigen Moment fest!), was solche eine Situation für jeden Menschen an Emotionen bedeutet: Angst, Gehetztheit und Verzweiflung. Und das kommt perfekt in dem Foto von Warren Richardson rüber. Pure Emotion!
Ich habe sehr viel Respekt vor den Fotografen, die überall auf der Welt in Krisen und in Kriegen solche Bilder machen. Die Welt ist nicht „heil“ und sie braucht solche Fotos, um immer wieder auf diesen Zustand hinzuweisen. Solange die Welt so ist, wird es solche Fotos geben. Mag auch die Kritikerszene sich darüber negativ äussern, „but that´s the real life“!

Peter Meyers Fotos sind auch hier zu finden fotocommunity

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