Meine Portraitarbeit

Mich interessieren keine idealisierten Bilder. Ich wollte Begegnungen und Körper, Identität und Erfahrung sichtbar machen.

Ich habe Menschen nie als „Motive“ verstanden.
Mich interessierte nie die perfekte Oberfläche, nicht die Pose und nicht die Inszenierung. Mich interessierte der Augenblick, in dem ein Mensch sichtbar wird – in seiner Präsenz, seiner Verletzlichkeit, seiner Würde. Die Portraitfotografie war für mich immer eine Form der Begegnung.
Ich habe zugehört, Gespräche geführt, Geschichten gehört. Oft entstand das Bild erst in dem Moment, in dem jemand begann, sich zu erinnern, zu erzählen oder für einen kurzen Augenblick die Kontrolle über das eigene Bild von sich selbst verlor.
Vielleicht suche ich deshalb bis heute in meinen Portraits weniger das Spektakuläre als etwas Leises: eine Offenheit im Blick, eine kleine Unsicherheit, eine Spur von Nachdenklichkeit, Müdigkeit oder innerer Stärke.
Schönheit bedeutete für mich nie Perfektion, sondern Gegenwart.
Viele dieser Arbeiten entstanden als Aufträge. Und doch waren sie für mich immer mehr als eine fotografische Dienstleistung. Jede Begegnung hinterließ etwas – ein Gespräch, eine Stimmung, eine Irritation, manchmal auch eine Nähe, die nur für die Dauer der Aufnahme existierte.

Wenn ich heute auf diese Portraits zurückblicke, sehe ich nicht nur die Menschen vor meiner Kamera. Ich sehe auch die Fotografin, die ich damals war: aufmerksam, suchend, zugewandt. Die Kamera wurde zu einem stillen Zwischenraum, in dem Begegnung möglich war. Diese Arbeiten sind deshalb nicht nur ein Archiv vergangener Portraits.
Sie sind auch ein Archiv von Begegnungen, Blicken und gemeinsam verbrachter Zeit.

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