Ich habe meine Homepage selbst erstellt – ohne Plan, ohne Anleitung, nur durch Ausprobieren.
Dabei habe ich etwas Entscheidendes verstanden: Ich lerne nicht durch Erklärungen, sondern im Tun.
Was wie ein technisches Problem mit WordPress begann, wurde zu einer Erkenntnis darüber, wie mein Denken funktioniert.
Eine neue Homepage für meine analoge Fotografie.
Ich musste das selbst tun, ohne professionelle Unterstützung – meine derzeit sehr zurückhaltenden finanziellen Möglichkeiten erlauben nichts anderes.
Da war also dieser dringende Wunsch nach einer neuen Homepage.
Ich habe angefangen. Nicht geplant, nicht strukturiert im klassischen Sinn.
Am Anfang stand der Versuch, es „richtig“ zu machen.
Ich habe mir erklären lassen, wie WordPress funktioniert. Schritt für Schritt. Logisch. Systematisch.
Und genau da ist etwas passiert: Wir sind nicht weitergekommen.
Im Gegenteil.
Ich wurde wütend.
Nicht ein bisschen irritiert, sondern wirklich wütend, weil ich gemerkt habe, dass ich nicht verstehe, was von mir erwartet wird. Dass diese Art des Erklärens mich nicht erreicht.
Irgendwann habe ich das abgebrochen.
Ich habe alles ausgeblendet und einfach angefangen.
Ich habe geklickt.
Ich habe gesucht.
Ich habe Dinge ausprobiert, verworfen, neu angesetzt.
Try and Error. Bewegung statt Plan.
Ich wusste oft nicht mehr, wie ich irgendwo hingekommen war.
Ich musste Wege erneut finden, neu gehen, anders gehen.
Und genau darin ist etwas passiert: Ich habe mich orientiert. Nicht, weil ich es verstanden hatte – sondern weil ich mich darin bewegt habe.
Ganz am Ende gab es einen Moment, der fast unscheinbar wirkt, aber für mich zentral ist. Ich wollte Fotos über die gesamte Fläche ziehen. Es hat nicht funktioniert. Egal, was ich versucht habe. Dann kam ein anderer Gedanke – kein logischer, eher ein praktischer: Ich habe ein Element genommen, das bereits funktionierte, habe es kopiert und einfach mit neuem Inhalt gefüllt.
Und plötzlich ging es.
In diesem Moment habe ich verstanden, wie ich arbeite. Nicht, weil mir jemand erklärt hat, wie es geht.
Sondern weil ich mich durch das Problem hindurch bewegt habe.
So war es auch, als ich mit FileMaker mir das System für mein Archiv am Computer aufgebaut habe, und dann ist mir wieder etwas eingefallen, das ich offenbar schon einmal gewusst habe:
Ich lerne nicht vor dem Tun.
Ich lerne im Tun.
Das ist keine Methode, die ich mir ausgesucht habe. Es ist die Art, wie mein Denken funktioniert.
Ich habe eine Vorstellung – aber keinen Weg dorthin.
Und der Weg entsteht erst, indem ich beginne zu gehen.
Rückblick: Mein Archiv
Wenn ich auf meine Arbeit der letzten Monate schaue – mein Archiv, das Sichten, Ordnen, Wiedersehen –, dann erkenne ich dasselbe Muster.
Ich habe gearbeitet, ohne alles zu verstehen.
Ich habe mir etwas ausgedacht.
Ich habe Dinge geordnet, ohne zu wissen, wohin das führt.
Und erst jetzt, im Rückblick, begreife ich:
Die Erkenntnisse sind nicht vor der Arbeit entstanden.
Sie sind aus ihr hervorgegangen.
Ich begreife meine Arbeit – und mich selbst – erst, indem ich mich durch sie hindurchbewege.
Was ich hier beschreibe, ist kein persönlicher Zufall.
Es gibt dafür klare Beschreibungen aus der Lern- und Kognitionsforschung.
Man spricht von Lernen durch Handeln oder erfahrungsbasiertem Lernen:
- Wissen entsteht nicht nur durch Erklärung, sondern durch aktive Auseinandersetzung
- Verstehen entwickelt sich im Prozess, nicht davor
- Fehler und Umwege sind kein Hindernis, sondern ein zentraler Bestandteil von Lernprozessen
Auch in der Psychologie gibt es den Begriff des impliziten Lernens:
- Zusammenhänge werden verstanden, ohne dass sie vorher bewusst formuliert werden können
- Wissen zeigt sich im Handeln, bevor es sprachlich greifbar wird
Genau darin erkenne ich meine eigene Erfahrung wieder.
Erklärungen allein tragen mich nicht. Verstehen entsteht für mich erst im Tun.
Und deshalb gibt es diesen Moment, in dem mir plötzlich klar wird, was vorher nicht zugänglich war.
Was sich für mich verändert hat
Ich habe nichts Neues gelernt im Sinne von „neuer Technik“.
Ich habe etwas wiedergefunden:
Vertrauen in meine eigene Art zu denken.
Ich muss nicht zuerst wissen, wie etwas geht.
Ich darf anfangen.
Ich muss nicht jeden Schritt kontrollieren.
Ich darf mich bewegen.
Ich muss nicht verstehen, bevor ich arbeite.
Ich arbeite, um zu verstehen.
Ein Satz, den ich festhalten will
Der Weg zeigt sich mir nicht vorher.
Er zeigt sich, während ich ihn gehe.
Und vielleicht ist das das Wichtigste, was ich im Moment sagen kann:
Ich beginne gerade, mich selbst zu begreifen. Langsam.
Nicht durch Nachdenken allein – sondern durch das, was ich tue.