Beate Knappe

Fotografin aus Leidenschaft

Seit 1964 fotografiere ich.
Nicht als durchgehende Linie, sondern als Bewegung. Als tastende Annäherung an Menschen, Situationen, Haltungen. Über Jahrzehnte hinweg ist ein Werk entstanden – analog, später digital –, das weniger von Motiven erzählt als von einer Haltung gegenüber der Welt.

Fotografie war für mich nie bloß Abbildung.
Sie war Kommunikation.
Beziehung.
Entscheidung.

Ich habe Menschen porträtiert, Arbeitswelten beobachtet, Frauen in ihren Lebensrealitäten sichtbar gemacht. Ich habe Serien entwickelt, Themen verfolgt, Fragen wiederholt. Rückblickend erkenne ich, dass sich bestimmte Linien durch alles ziehen: das Ringen um Würde, das Sichtbarwerden von Präsenz, das Verhältnis zwischen Nähe und Distanz.

Heute steht mein Archiv im Zentrum meiner Arbeit.
Über sechs Jahrzehnte hinweg sind Negative, Kontaktbögen, Abzüge, digitale Dateien, Notizen und Erinnerungen zusammengekommen. Dieses Material ist kein Lagerbestand. Es ist ein Denkraum.

Portrait, das bin ich

Die Erschließung eines Archivs ist keine technische Tätigkeit.

Sie ist eine Auseinandersetzung mit Entscheidungen:
Was habe ich gesehen?
Was habe ich übersehen?
Was hat mich beschäftigt, ohne dass ich es benennen konnte?

Archive verändern nicht nur das Werk, sondern seine Urheber:innen.

In der systematischen Arbeit an meinem eigenen Bestand wird sichtbar, wie sich Blick und Haltung über die Jahre verschoben haben. Brüche werden erkennbar. Wiederholungen. Konstante Themen. Und auch Leerstellen.

Mich interessiert nicht die Nostalgie des Rückblicks, sondern die Struktur des Gewordenen.

Aus dieser Arbeit heraus begleite ich heute Fotograf:innen und Künstler:innen bei der Präzisierung ihrer Werkbestände. Ich spreche über Archivbewusstsein, über Werkentwicklung über Jahrzehnte hinweg, über Bildkultur im digitalen Zeitalter und über die Frage, was fotografische Lebenswerke über ihre Urheber:innen erzählen.

Ich spreche aus Praxis.
Nicht aus Theorie.

Ich habe einen Gesellenbrief als Fotografin und einen Hochschulabschluss als Kommunikationsdesignerin. Vor allem aber habe ich ein Werk, das sich über Zeit gebildet hat.
Es ist diese Zeitlichkeit, die mich interessiert.
Fotografie ist für mich kein abgeschlossenes Kapitel.
Sie ist ein fortlaufender Denkprozess.

Und das Archiv ist sein Resonanzraum.

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