Mein Leben fühlt sich im Moment an wie eine einzige emotionale Berg- und Talfahrt.

Im vergangenen Jahr habe ich meine Autobiografie geschrieben. Dieses Buch ist inzwischen ausverkauft. Danach habe ich begonnen, mein Werk systematisch zu sichten und ein Werkverzeichnis aufzubauen. Jahrzehnte fotografischer Arbeit liegen in Kisten: Negative, Kontaktbögen und Prints, eine große Menge an Prints. Dieses Material wieder in die Hand zu nehmen, zu ordnen, anzuschauen, ist eine intensive Erfahrung.

Es war sehr erfüllend.
Sehr befriedigend.
Sehr erfolgreich.

Und gleichzeitig habe ich etwas nicht bemerkt: wie stark emotional belastend dieser Prozess eigentlich ist.
Als ich begann, mein eigenes Leben noch einmal durchzugehen – Fotografien, Begegnungen, Entscheidungen, Brüche –, dann arbeitet nicht nur der Kopf. Dann arbeitet der ganze Mensch. Erinnerungen tauchen auf. Gefühle, von denen ich dachte, sie seien längst abgelegt. Ich sah mein eigenes Leben noch einmal, aber aus einer anderen Perspektive.

Offenbar hat mein Körper all das sehr viel ernster genommen als ich selbst, und dann hat er vor vierzehn Tagen die Reißleine gezogen.

Zuerst war da nur ein Druck im Magen. Ein Gefühl, das ich schon kannte. Mein Magen ist empfindlich, das weiß ich. Ich habe Heilerde genommen, dann noch einmal Heilerde. Und dann kam es völlig abrupt: Mein Magen entleerte sich fontänenartig. Drei Mal. Heftig. Unkontrollierbar.
Gastroösophageale Refluxerkrankung (GERD)
Danach folgten zwei Tage, in denen ich praktisch nichts gegessen und kaum etwas getrunken habe. Am Morgen war ich heiser. Es kam ein trockener Hustenreiz dazu, der sich anfühlte wie eine Bronchitis, aber keine war. Die Schleimhäute waren gereizt, wahrscheinlich von der Magensäure, die bis nach oben gekommen war.

In den Nächten danach geschah etwas Merkwürdiges.

Ich pendelte zwischen Schlaf und Wachsein. Die Träume waren wild und voller Bilder, an die ich mich heute nicht mehr erinnere. Aber in manchen Momenten tauchte ein ganz klares Bild auf, wie ein Screenshot auf meinem Computer: viele offene Tabs. Ich suchte nach dem roten Punkt, um sie zu schließen. Ich konnte ihn nicht erreichen.
Das war beängstigend. Nicht wegen der Bilder selbst, sondern wegen des Gefühls, die Entscheidungshoheit über mein eigenes Gehirn verloren zu haben.

Nach einigen Tagen verschwand dieses Phänomen wieder. Die Bilder hörten auf. Mein Gehirn schien sich zu beruhigen.
Ich war für ein paar Tage auf Ameland, meinem Seelenort, das war lange schon geplant.
Wieder zu Hause und ich dachte, ich hätte mich stabilisiert, lag ein Brief im Briefkasten, der alles erneut zurückwarf. Ich musste ihn nur lesen, und mein Körper reagierte sofort. Gastroösophageale Refluxerkrankung (GERD). Mein Magen begann wieder, Säure zu produzieren. Kein dramatischer Zusammenbruch wie zuvor, aber der Hustenreiz war sofort wieder da. Als würde mein Körper sagen: Achtung. Alarm.

Inzwischen glaube ich, den Zusammenhang besser zu verstehen. Emotionaler Stress ist nicht nur etwas, das im Kopf passiert. Er ist ein körperliches Ereignis. Der Körper reagiert. Der Magen produziert Säure. Schleimhäute werden gereizt. Der Schlaf gerät durcheinander. Der Körper spricht eine sehr direkte Sprache.

Diese seltsamen Bildzustände sind verschwunden. Aber ich merke deutlich: Mein Körper befindet sich noch in der Regenerationsphase. Ich fühle mich schwach und kraftlos. Nicht dramatisch krank, aber erschöpft.

Ich habe gestern gearbeitet, es ging um meinen fotografischen Nachlass. Ich habe ein Teiltestament formuliert und die Anlagen dazu geschrieben. Das war wohltuend. Es hat mir gutgetan, etwas Klarheit zu schaffen.

Und trotzdem sagt mein Körper heute: langsam. Vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis aus diesen Tagen:
Regeneration ist kein Rückschritt. Sie ist Teil der Bewegung zurück ins Gleichgewicht.

Der Körper weiß manchmal früher als der Kopf, wann es Zeit ist, eine Pause zu machen.

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