Es gibt Momente in meinem Leben, da merke ich: Ich bin angekommen.
Nicht angekommen im Sinne von „alles erreicht“. Sondern angekommen in mir selbst. 
So ein Moment ist eigentlich etwas Schönes.
Aber bei mir ist es auch schwierig. 

Was heißt das, oder was meine ich damit?

Ich spüre Klarheit – und gleichzeitig Unruhe im Körper. Ich bin sicher, dass das, was ich im Moment tue, richtig ist.
Dass so, wie ich jetzt arbeite, mir entspricht. In der Tiefe. In der Haltung. In der Qualität.
Und doch ist da ein Gefühl von Instabilität und Unsicherheit. Als würde etwas wackeln, obwohl ich innerlich stehe.

Wie kann das sein?

Wir glauben, dass Entwicklung sich wie ein Aufstieg anfühlt. Wie ein Gipfelblick. Wie Weite und Erleichterung. 
Aber im Moment fühlt es sich für mich wie eine Landung an.
Und Landungen sind nicht lautlos. Offensichtlich ruckeln sie mächtig. Es gibt Druck auf den Ohren. Der Boden kommt näher, aber ich spüre ihn bislang nicht sicher.
Das Flugziel stimmt. Aber der Moment dazwischen ist wirklich unbequem.

Vielleicht liegt es daran, dass Ankommen in meinem Fall auch bedeutet, dass alte Rollen an Gewicht verlieren.

Alte Arten, Zugehörigkeit zu sichern, greifen nicht mehr. Ich arbeite nicht mehr aus Funktionieren, sondern aus innerer Stimmigkeit.
Und genau das verunsichert mein System.

Nicht, weil es falsch ist.
Sondern weil es neu ist.

Wenn sich etwas im Leben wirklich verschiebt, verändert sich die innere Architektur.
Lange Zeit entsteht Identität über Rollen: 

  • die Person, die gebraucht wird
  • die Person, die funktioniert
  • die Person, die leistet
  • die Person, die für andere da ist

Diese Rollen geben Halt. Sie strukturieren den Alltag. Sie geben Zugehörigkeit.
Doch wenn sich etwas verschiebt, wenn jemand beginnt, stärker aus innerer Stimmigkeit zu leben, passiert etwas Entscheidendes:

  • Die Rolle tritt zurück.
  • Die Person selbst tritt nach vorn. 

Und das fühlt sich zunächst nicht größer an, sondern ungeschützter. 
Wenn alte Strategien wegfallen, entsteht ein Zwischenraum.
Das Neue trägt noch nicht selbstverständlich.
Das Alte trägt nicht mehr wie früher. 
Für das Nervensystem ist das kein philosophischer Prozess, sondern ein Unsicherheitszustand.

Es reagiert mit:

  • Anspannung
  • Unruhe
  • körperlichen Symptomen
  • dem Bedürfnis nach Halt

Nicht, weil etwas schiefläuft. Sondern weil Integration Zeit braucht. 
Der Körper bremst die Entwicklung nicht. Er versucht, die Geschwindigkeit an die eigene Verarbeitungsfähigkeit anzupassen. 
Wenn sich innere Strukturen verändern, sucht der Organismus nach Sicherheit.
Nach Erdung.
Nach Regulierung.

Manchmal zeigt sich das als Müdigkeit.
Manchmal als Rückzugswunsch.
Manchmal als Magenschmerz.

Nicht als Zeichen von Scheitern. Sondern als Zeichen von Übergang.

Vielleicht fühlt sich mein eigenes Leben genau deshalb instabil an.
Vielleicht ist Verunsicherung nicht der Beweis, dass etwas falsch läuft,
sondern der Hinweis, dass etwas Echtes in Bewegung ist.

Vielleicht ruckelt es, weil ich wirklich angekommen bin.

logo

Melden Sie sich hier zu meinem Newsletter an und bleiben Sie informiert.

You have Successfully Subscribed!