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Ich bin Single und finde das ganz ok. Mehr noch, ich mag es so autonom zu sein, so zu leben wie ich lebe. Ich habe nicht den Eindruck, dass mir etwas Wesentliches fehlt. 

 Single – Eine Frau ohne Mann ist wie ein Mann ohne Penis

Aufgeschrieben hat es  Marlene Täschner am 12. JUNI 2017

“Offenbar ist eine alleinstehende Frau für viele immer noch das Schlimmste, ein vollkommen inakzeptabler Zustand”, hat die bayerische Wirtschaftsministerin Ilse Aigner im April dem Spiegel gesagt: “Man kann geschieden sein, zum vierten Mal verheiratet, man kann schwul, lesbisch, irgendwas sein, aber alleinstehend, das geht nicht.”

Ist das so?
Ich hatte ein Beratungsgespräch mit einer Kundin, die sich gerne von mir fotografieren lassen will, weil ihr meine Arbeit gefällt. Sie will sich auch auf einer Plattform präsentieren, auf der sich Menschen finden wollen. Menschen, die eine Partnerin, einen Partner suchen. Sie sprach davon, dass sie in einem Tanzkurz für Singles sei und dass sie ihre Autonomie lieben würde.
Das hat mir gefallen und mich nachdenklich gemacht. OK, in der letzten Zeit macht mich so vieles nachdenklich. Auch ich bin Single und ich liebe meine Autonomie, wie meine Kundin es sagte und doch habe ich manchmal so romantische Vorstellungen von einem Mann, der wie ein Seebär aussieht, mich vergöttert, auf Händen trägt und mir alle Fragen beantworten kann und alle Hindernisse aus dem Weg räumt. Ist die Wahrscheinlichkeit, auf einen Tiger zu treffen nicht höher als die, dass ich einen solchen Mann in diesem Leben finde? 

Was löst diese Art von Gedanken aus?
Ist es wirklich ein Traum/ein Bedürfnis von mir, oder wird es mir von irgendwoher eingeredet? Einen Tanzkurs für Singles zu besuchen ist eine Idee die mir sehr gut gefällt. Darüber werde ich mal nachdenken.  

Zitat:
Im 2016 vom Statistischen Bundesamt veröffentlichten Datenreport heißt es: “Als Alleinstehende werden im Mikrozensus ledige, verheiratet getrennt lebende, geschiedene oder verwitwete Personen bezeichnet, die ohne Lebenspartnerin oder Lebenspartner und ohne Kind in einem Privathaushalt leben.” 18,5 Millionen dieser Personen gab es davon im Jahr 2015 in Deutschland. 53 Prozent davon sind Frauen, 47 Prozent Männer. 89 Prozent von ihnen leben in einem Einpersonenhaushalt.

Ich auch.

Ok, da sind noch die beiden älteren Hundedamen. Als was zählen die? Eingezogen bin ich in diese Wohnung im Oktober 1989. Damals lebte meine Tochter, geboren 1977, noch mit mir zusammen und ich hatte ein Fotolabor, weil ich freiberuflich als Fotografin arbeitete und zwar analog und noch nicht digital. Das war vor 30 Jahren!
Das ist fast die Hälfte meines Lebens, ich werde in 3 Monaten 69 Jahre alt.
Was mir bei dem Thema Einpersonenhaushalt einfällt ist, dass der Lebensstandard von Paaren, die in meinem Alter sind, anders ist, als meiner. Sie haben nur jeder die Hälfte der Kosten und 2 Einkommen. Hinzukommt, wenn ich mir z.B. andere freiberufliche Fotografinnen ansehe, dann haben die einen Partner im Hintergrund, der auch schon mal finanziell einspringt. Ich habe das nicht. Es hat auch eine Zeit lang gebraucht, nachdem meine Tochter ausgezogen war, bis ich mich daran gewöhnt hatte, nur noch für eine Person einzukaufen. Inzwischen lasse ich mir öfters Essen bringen, anstatt selber einzukaufen, zu planen, zu kochen und wieder alles wegzuräumen.

OK, kein Mensch hat versprochen, dass das Leben gerecht und fair sein würde und schließlich habe ich mich von meinem Ehemann getrennt. Eine Entscheidung, die ich aus dem Bauch heraus getroffen hatte, wie so viele in meinem Leben. Sie war nicht falsch, eben nur eine, deren Folgen – die langfristigen – ich zuvor nicht eingeschätzt hatte. Was ich wohl nie mache, wenn ich Entscheidungen treffe, ist mein Gefühl.

So hatte ich nicht bedacht, was es z.B. bedeutet in meinem Alter alleine zu leben. 

Muss ich erwähnen, dass ich keine, die staatliche Rente ergänzende, Altersvorsorge getroffen habe? 

Die Jahre, seitdem ich mein Portraitstudio eröffnet habe, sind anders verlaufen, als ich mir jemals hätte vorstellen können. Es war eine richtige, wenn auch eine „Bauch-Entscheidung“. Da war niemand, mit dem ich das Für und Wider hätte abwägen können. Niemand der mich gehindert oder bestärkt hat. Es war jedoch immer schon mein Traum ein eigens Fotostudio zu haben. Warum? Keine Ahnung. Auch kann ich nicht mehr sagen warum ich, vor über 50 Jahren, Fotografin als Beruf wählte. Es ist einfach so passiert.

Nicht falsch verstehen, ich mag mein derzeitiges Leben.
Viel hat sich in den letzten Jahren verändert und entwickelt. Ich habe mich verändert. Was mir sogar sehr gefällt!

Im Moment habe ich den Eindruck, dass sich wieder etwas verändern wird. So sind z.B. meine Schränke zu voll mit Dingen, die ich im Alltag nicht mehr unbedingt benötige. Was ich meine ist, ich möchte mich neu „einrichten“ in diesem Leben. Einrichten für die kommenden Jahre. Es soll passen und nicht belasten. Es soll mir ermöglichen meinen Weg zu gehen ohne gestoppt zu werden, ohne festzuklemmen in etwas, das schon längst überflüssig geworden ist. Bin ich verständlich? Um sich neu einzurichten, ist es notwendig, sich den Bestand anzusehen, denke ich mal. Und genau das mache ich gerade.

Seitdem ich vor fast 20 Jahren schwer depressiv war, ja das war ich für ein paar Jahre, hat sich mein soziales Umfeld, mein Freundeskreis verändert. Denn wer hält schon Kontakt zu einer Depressiven?
Durch die Gründung meines Fotostudios kam ich erneut in eine spezielle Situation. Mit 61 Jahren fing für mich ein komplett neues Leben an. Damit verbunden waren Fragen und Aufgaben, sowie Probleme, die ich mit Menschen klären und besprechen musste, die nicht nur in einer ähnlichen Situation, sondern auch wesentlich jünger waren als ich und die ich hauptsächlich online traf. Also in den sozialen Medien, im Internet und nicht in meinem realen Leben. Das wiederum führte dazu, dass die wenigen realen Kontakte die ich hatte, auf der Strecke blieben, denn es gab so wenig Gemeinsamkeiten und ich wolle nicht immer nur von meinen Sorgen und Problemen sprechen. Mir fehlte es einfach an Zeit und Kraft Beziehungen zu pflegen. Auch war es mir streckenweise unangenehm, in welcher Situation ich gerade steckte. Eine Folge der Depression war, dass ich einfach ungern unter Menschen gegangen bin, wozu ich dann auch keine Zeit mehr hatte, obwohl „Netzwerken“ wichtig gewesen wäre. So habe ich mich privat immer mehr zurückgezogen. Was nicht heißt, dass ich einsam war, schließlich habe ich ja 2 Hunde und eine Familie.

Ich habe mein selbstbestimmtes Leben genossen und tue es noch. Ich bin auch nie in eine Situation gekommen, in der ich meine Lebenssituation hätte erklären müssen. Selbstverständlich kann ich mit den Menschen, die als Kunden zu mir kommen, ungezwungen umgehen. Anders wäre meine Arbeit als Portraitfotografin auch nicht so gut wie sie ist. Ich habe sowohl Männer als auch Frauen als Kunden. 

Gelernt habe ich, dass ich gerne mit Menschen umgehe und das auch gut kann. Ich bin ehrlich interessiert an ihnen und ihren Geschichten. Wenn sie jedoch mein Studio verlassen, kann ich diese sofort loslassen. Das ist eine durchaus positive Gabe. Anders wäre es für mich auch nicht möglich, weiß ich inzwischen.
Als Portraitfotografin lasse ich mich sehr auf die Menschen ein, die vor meiner Kamera stehen. Nehme mich selber sehr zurück. So entstehen meine Portraits. Ich kann damit sehr gut leben, war nur irgendwann erstaunt, wie erschöpfend diese Arbeit sein kann, auch wenn sie mir große Freude macht und Befriedigung schenkt. 

Dann ergab es sich, dass ich „meine Insel“ kennenlernte. Einen Ort, an dem sich meine Seele wirklich erholen kann. Es hat gedauert, doch inzwischen klappt das sehr gut mit der Erholung, wenn ich dort bin. Lange Strände, plätschernde Wellen, strahlend blauer Himmel, Sturm – mehr brauche ich nicht.

Da ich inzwischen auch 2 Enkelkinder habe, kann ich aus tiefster Überzeugung sagen, dass es viele Glücksmomente in meinem alltäglichen Leben gibt. Ein Mann/ein Partner fällt da nicht als Leerstelle auf. Die Vorstellung, so eine Beziehung zu pflegen, erscheint mir sogar recht anstrengend. Wo würde ich die Energie dafür hernehmen? 

Ich bin also Single und das sehr gerne.

Ich fühle mich als Feministin, habe jedoch nix gegen Männer. Habe meine sexuellen Erfahrungen in einer Zeit ohne AIDS oder andere sexuell übertragbaren Krankheiten gemacht. Dafür werde ich wohl ewig dankbar sein. Auch gab es die Pille, die mich vor einer ungewollten Schwangerschaft schützen sollte und es auch weitestgehend getan hat. Was ich sagen will ist, ich hatte nie was gegen Männer, war sogar mit einem verheiratet. Und nachdem ich mich von ihm getrennt hatte, gab es da auch die ein oder andere Beziehung. Alleinstehend bedeutet heutzutage noch lange nicht zölibatär. Und wie meinte die unübertrefflichen Cher: „Auf der Suche nach dem Richtigen kann man viel Spaß mit dem Falschen haben.“

Marlene Täschner schreibt in dem schon erwähnten Artikel: „… was dem Mann zugestanden wird – sexuelle Aktivität, Libido, Spaß an erotischen Begegnungen ohne Bindungsverpflichtung –, wird bei Frauen spätestens nach dem dritten Lebensjahrzehnt als Zeichen von Verzweiflung gedeutet.“
Verzweifelt habe ich mich nie gefühlt bei dem Thema „Männer“. Doch, wie sollte es auch anders sein, gesellschaftlich wird das Leben als Single eben unterschiedlich beurteilt, abhängig davon, ob ich eine Frau oder ein Mann bin. Wundert mich das wirklich?
Von 2004 bis 2014 ist die Zahl der Alleinstehenden um 16 Prozent gestiegen. Bei Frauen um 8, bei Männern um 28 Prozent. Der Mann in diesem Szenario ist der „einsame Wolf“, der sich nicht einfangen lässt, der „Easy Rider“, der die Freiheit liebt, der “Eremit, der Einsiedler”, der sich ganz bei sich selbst einfinden will. Ein Mann, der für sich allein kocht und einen Martini als Aperitif trinkt, hat Lebensart; die Frau, die genauso verfährt, will ihren Kummer betäuben und die Zeit totschlagen. Single-Frauen sind es höchstens temporär, wie die Single-Frauen aus der Serie Sex And The City.  Was für ein Humbug. 

Warum wird mir eingeredet, dass ich als Single-Frau ohne Mann dringendst einen finden muß?