2026 wird im chinesischen Tierkreis dem Pferd zugeordnet. Das ist weniger Horoskop-Vorhersage als ein kulturelles Deutungsangebot – ein Symbolsystem, das Zeit nicht misst, sondern qualitativ färbt.
Ich habe das nicht als Vorhersage gelesen, sondern als Bild. Als Einladung, genauer hinzusehen.
Das Pferd steht für Bewegung, für Eigenständigkeit, für Kraft, die nicht gezwungen werden will.
Es trägt – aber nicht blind.
Es geht – aber nicht für jeden Weg.
Und plötzlich passt dieses Bild erstaunlich genau zu dem, was ich gerade entscheide.
Manche Entscheidungen fallen nicht plötzlich.
Sie sind längst da. Still. Unaufgeregt.
Sie zeigen sich nicht als Zweifel, sondern als Gewissheit:
So wie bisher möchte ich es nicht mehr regeln.
Lange bleiben solche Entscheidungen innen.
Nicht aus Zögern, sondern aus Verantwortung.
Weil man wissen will, was man tut.
Weil man nichts überstürzen möchte – schon gar nicht das Wesentliche.
Und dann kommt der Punkt, an dem klar wird: Diese Entscheidungen wollen nicht weiter bedacht werden.
Sie wollen in Bewegung übersetzt werden.
Heute, am 1.1. 2026 habe ich eine Vorsorgevollmacht formuliert. Kein dramatischer Akt. Kein düsterer. Sondern ein sehr nüchterner, sehr klarer Schritt.
Ich habe festgelegt, wer für mich entscheiden soll, wenn ich es selbst nicht mehr kann.
Wer meine Interessen kennt – und meine Werte.
Das fühlt sich nicht nach Abschied an.
Sondern nach Ordnung.
Nach Selbstverantwortung.
Vielleicht passt das genau zum Jahr des Pferdes:
Nicht zu warten, bis etwas entschieden werden muss, sondern zu entscheiden, solange man es selbst tun kann.
Ich steige nicht auf ein Pferd, um schneller zu sein als andere.
Ich steige auf, um nicht mehr zu Fuß durch falsches Gelände zu gehen.
Falsches Gelände erkennt man selten an äußeren Umständen.
Man erkennt es am Körper.
An der Erschöpfung, die nicht vom Tun kommt, sondern vom Dagegen.
An der leisen inneren Stimme, die sagt: Das ist nicht mehr mein Weg.
Die Vorsorgevollmacht ist für mich genauso ein Geländewechsel.
Ein Schritt zur Seite.
Hin zu Klarheit. Hin zu Verantwortung. Hin zu Ruhe.
Als Nächstes werde ich an meinem Werkverzeichnis arbeiten.
An der Ordnung von sechzig Jahren fotografischer Arbeit.
Nicht aus Rückschau, sondern aus Bewusstsein für das, was bleibt – und wie es verstanden werden soll.
Ich werde außerdem eine Patientenverfügung erstellen und mein Testament formulieren.
Auch das gehört für mich in diesen Zusammenhang.
Nicht, weil ich ans Ende denke.
Im Gegenteil.
Ich möchte noch sehr lange leben. Dreißig Jahre wären großartig.
Aber Vorsorge bedeutet für mich, dem Leben Raum zu geben – nicht ihm misstrauisch zu begegnen.
Es bedeutet, Verantwortung zu übernehmen, solange ich es kann, damit später nichts ungeklärt, nichts fremdbestimmt, nichts chaotisch wird.
Nicht alles, was man regelt, ist ein Rückzug.
Manches ist ein Akt der Freiheit.
Das Jahr des Pferdes verspricht keine Leichtigkeit.
Aber es erinnert daran, dass Kraft nicht verschwendet werden muss.
Dass Bewegung dann gut ist, wenn sie aus innerer Klarheit kommt.
Und dass es manchmal reicht, den Weg zu wechseln – damit man wieder getragen wird.