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„…perfect is boring, human is beautiful…“

Alopecia areata

… ist die häufigste Haarausfallerkrankung und betrifft ca. 1,4 Mio. Menschen in Deutschland. Sie tritt in jedem Lebensalter auf, sogar schon bei Kindern.

Haare waren schon 2x das Thema von Portraitserien die ich konzipiert und erarbeitet habe. Einmal waren es die Haare, die ihre natürliche Farbe verlieren und weiß werden (Silbergrau das bin ich) und dann die Haare, die, aufgrund einer Chemotherapie, verschwunden sind (Fuck you cancer). Die Frauen dieser Serie hatten zweitweise eine Glatze. Beide Serien haben mich eine Menge gelehrt. Vor allem auch über die kulturelle Bedeutung von Haaren.  

So gilt z.B. langes Haar von alters her als Zeichen der Fruchtbarkeit und Vitalität. Eine Glatze hingegen wird ganz unterschiedlich gedeutet. In Armeen z.B. diente das Scheren einer Glatze als Initiationsritus. Im religiösem Kontext gilt sie als Zeichen der Askese, oder  als Zeichen der Zugehörigkeit, wie bei den buddhistischen Mönchen. Mir ist zum anderen die Kopfschur als Strafe bekannt. Nach dem 2. Weltkrieg wurden Frauen in Frankreich, denen ein zu enges Verhältnis zu Wehrmachtssoldaten vorgeworfen wurde, der Kopf geschoren. Damit sollten sie öffentlich bloßgestellt, angeprangert und gedemütigt werden.  

Die Glatze

… wird heutzutage bei Männern als Ausdruck ihrer Individualität gesellschaftlich anerkannt. Sie verleiht ihnen Achtung und Macht. Männer mit Glatze wirken angeblich dominanter und kräftiger. Die Glatze steht bei Männern für Männlichkeit, Wettbewerbsstärke, Erfolg und auch Aggressivität. 

Doch, wie muss eine junge Frau, Anfang 20, sich fühlen wenn ihr plötzlich die Haare ausfallen? Eine Frau, die gerade dabei ist zu erfahren, was es heißt eine Frau zu sein, die ihre Weiblichkeit leben will und derer Verlustig geht?

Hannah ist so eine junge Frau

Als sie in mein Studio kommt verstehe ich nicht gleich um was es ihr geht, den sie trägt eine Echthaarperücke. Sie erzählt von dem Schock der Diagnose: Alopecia areata. Und wie sie sich entschieden hat sich die Glatze zu rasieren, als die Haare immer weniger wurden und sie dann feststellten musste, dass diese nicht mehr nachwachsen werden. Ihre Augenbrauen sind ebenfalls schon verschwunden und sie bangt nun um ihre Wimpern. Sie hat BWL studiert und arbeitet in einem Autohaus und musste akzeptieren, dass es keine Heilung für ihr Haarproblem gibt und sie von nun an eine Glatze hat.

Es hat gedauert, erzählt sie, während Lilly sie für das Shooting schminkt, bis sie sich erstmals getraute in den Spiegel zu schauen, nachdem sie eine Glatze hatte. Mich macht das alles ein wenig sprachlos. Kann ich wirklich ermessen, was Hannah durchgemacht hat? Wohl kaum. Sie ist im Internet auf meine Arbeit gestoßen und dachte, dass ich wohl die Richtige sei, um Portraits von den verschiedenen Persönlichkeiten in ihr anzufertigen. Damit hatte sie Recht. Also setzten wir einen Shootingtermin an um Hannah ohne und mit Haaren ins Bild zu setzen.

Hannah hat, wie es so schön heißt, ihr ganzes Leben noch vor sich. Sie steht am Anfang einer wunderbaren Reise, in der sie sich als Frau erfahren wird. Ich versuche mich zu erinnern, wie das für mich gewesen war. Verwirrend genug. Doch Hannah muss sich daran gewöhnen das sie “anders” ist, sie hat eine Glatze.  

Ich für meinen Teil finde ja Frauen mit Glatze wunderschön. Sie sind so einzigartig, so einmalig. Unverwechselbar. Es gibt keine zweite wie sie. Ich befürchte, Hannah fühlt sich so noch nicht und wünscht sich vielleicht, dass meine Fotos ihr dabei helfen sich so zu akzeptieren wie sie ist – wunderschön!
Ja, in meinen Augen ist sie eine wunderschöne junge Frau.