Ich verstehe mich als Portraitfotografin.

Doch, was ist ein Portrait?
Im weiteren Sinn kann nahezu jede Abbildung eines Menschen, als Portrait bezeichnet werden, sofern sie nur den Abgebildeten gut erkennbar macht, z. B.:
  • ein Fahndungsfoto,
  • ein gewöhnliches Passbild,
  • ein Schnappschuss – oder auch
  • ein Selfie als moderne Form des Selbstporträts.

In der Regel verstehen wir unter einem Portrait ein Kopfbild,

also die Darstellung der Person mit dem Hals ohne jeglichen Teil des Rumpfes. Sowas nennen wir heute Headshot!
Das erste Motiv nach der Offenlegung des Patentes von Louis Daguerre war ab 1840 die Abbildung von Personen als Fortsetzung der Portraitmalerei. Die ersten Kameralinsen ermöglichten Aufnahmen von stehenden Personen – es war ein bestimmter Abstand zwischen Person und Kameralinse erforderlich.
Bis in die 1880er Jahre entstanden Portraits in Ateliers. Die Fotografen Hugo Erfurth und Rudolf Dührkoop gehörten zu den ersten, die für Portraitaufnahmen ihre Atelierräume verließen, um Aufnahmen zu realisieren.
Nachdem es dem französischen Fotografen André Adolphe-Eugène Disdéri gelungen, durch Verkleinerung des Formates auf die Größe von ca. 6 × 9 cm die Abbildung der Fotografie preiswerter als damals üblich zu gestalten, nahm die Popularität der Portraitfotografie stark zu.
Neben dem Portrait, dass das Gesicht der Person zeigt, gibt es auch das:
  • Ganzfigur: Darstellung stehend oder sitzend.
  • Kniestück: mit Einbeziehung der Knie, stehend oder sitzend.
  • Hüftbild: Oberkörper bis zum Schritt
  • Halbfigur: Oberkörper bis zur Taille, unter Einbeziehung der angewinkelten Arme mit den Händen.
  • Bruststück: Kopf mit einem Großteil des Oberkörpers, Schultern und Armabschnitten.
  • Schulterstück oder Büste (Büstenporträt): Die Schulteransätze sind mit einbezogen und das Porträt endet auf Achselhöhe.

Das sind Begriffe, die aus der Malerei übernommen wurden, genauso wie diese:

  • Frontalansicht (en face): Das Gesicht ist direkt auf den Betrachter gerichtet. Die Darstellung wirkt oft suggestiv[6] und intim, aber auch etwas steif.
  • Viertelprofil oder Dreiviertelprofil/-ansicht: Das Gesicht ist leicht aus der Frontalansicht gedreht. Wegen der Rundung des menschlichen Kopfes wird die dem Betrachter zugewandte Seite des Gesichts voll, die vom Betrachter abgewandte Seite verkürzt wiedergegeben. Sie liegt dann auch oft im Schatten. Der Blick der Figur geht nicht mehr starr geradeaus. Gilt als lebendiger als frontal, auch in der Porträtfotografie wird eine leichte Drehung des Kopfes favorisiert.
  • Halbprofil: Das Gesicht ist von der Seite dargestellt, wobei das zweite Auge noch zu erkennen ist. Die Figur blickt in der Regel zum Betrachter.
  • Dreiviertelprofil oder Viertelprofil/-ansicht: Ein Überwiegen von en profil gegenüber der Halbansicht: Die Nase überragt oft die Kontur, das zweite Auge ist halb verdeckt bis nur angedeutet. Anmutiger als strenges Profil. Falls die Figur den Betrachter anblickt, kann der seitwärts gerichtete Blick tiefgründig wirken.
  • Profilansicht (en profil): Das Gesicht wird von der Seite abgebildet. Darstellungen im Profil nach dem Vorbild römischer Kaisermünzen galten als charakter- und würdevollste Darstellung des Menschen. Profilbilder als Schattenriss wurden seit dem 15. Jahrhundert bis ins 19. Jahrhundert häufig angefertigt.
  • Verlorenes Profil (profil perdu): „Dreiviertelansicht von hinten“, es sind nur die Konturen der Wangenknochen erkennbar.
Inhaltlich gibt es folgende Unterscheidungen:
  • Idealporträt, 
  • Standesporträt, 
  • Touristenporträt – das ist  vergleichbar mit dem heute angebotenen „Portrait on Location” oder “Destination Shoot”.

Die Frage, die ich mir stelle ist:

Was hat sich verändert?