Eine Überdosis an Gefühlen?

...denn die Liebe, egal zu was, ist es, die wesentlich ist für unser Leben. Die Liebe ist das, was mich trägt, die Erinnerung daran ist, was bleibt. ...

Am 11. April habe ich in einen Beitrag genau über dieses Thema geschrieben. 

Es ging mir um die mich in diesem Moment überwältigende Liebe. Die 

  • zu meinem Enkel,
  • zu dem wunderschönen, helle Frühlingsgrün und
  • zu der Zeit, die ich auf Ameland, meiner geliebten Insel, verbringe. 

Das hatte mich total überwältigt und ich nannte es eine Überdosis an Gefühlen. Daran habe ich mich heute morgen erinnert, als ich über das nachgedacht habe, was gestern bei mir angestoßen worden ist.

Was war gestern?

 Ich hatte ein Meeting im Internet. Mit wunderbaren Menschen, die ich, im Zusammenhang mit einem Workshop zum Thema Videos produzieren, kennengelernt habe. Und genau darüber wollten wir uns eigentlich unterhalten, doch es kam ganz anders.
Einer der teilnehmenden Personen berichtet von einer Konferenz, an der er teilgenommen hatte und die damit begann, dass es eine Meditationsreise gab, die ihn in die letzten Minuten seines Lebens und darüber hinaus geführt hatte.
Nun ist das Thema Tod nicht eines, mit dem ich mich wirklich gerne beschäftige. Ganz im Gegenteil, ich versuche es so weit von mir entfernt zu halten, wie es nur irgendwie möglich ist. Auch in diesem Moment, als die Sprache darauf kam, spürte ich den Impuls, mich unbedingt aus diesem Thema auszuklinken – es ging jedoch nicht. Den eine weitere Teilnehmerin sprach über ihre Gedanken zum Sein hinter dem Ego.

 Das hört sich jetzt hochphilosophisch an – es war aber sehr gut verständlich. Sie berichtete davon, wie sie sich nonverbal mit ihren Hunden verbunden fühlt und, dass sie der Meinung ist, dass die Seele des Menschen, nachdem sie den Körper verlassen hat, in eine andere Energieform übergeht.
Ich kennen diese Theorie und neige ebenfalls dazu, dies anzunehmen, vor allem, wenn ich daran denke, dass mir, in der letzten Zeit, immer wieder meine, vor vielen Jahren verstorbene, Mutter in den Sinn kommt.
Es gibt keinen Anlass im Außen dafür.
Ich finde nicht zufällig einen Gegenstand der ihr gehörte, oder sehe Fotos von ihr, nein so ist es nicht. Vollkommen ohne Zusammenhang zu meinen momentanen Gedanken, sehe ich ihr lachendes Gesicht vor mir und glaube sie zu spüren. Inzwischen frage ich mich, was sie mir sagen will. 

Zurück zu gestern Abend. Andrea sprach also darüber, was wirklich Bedeutung in unserem Leben hat und, an was wir uns hängen, weil es vermeintlich für uns Bedeutung hat und über die Gefühle des Verlustes, wenn es verschwindet, sei es nun durch den Tod oder irgendwie anderes.
Da war er wieder, mein Wunsch, aus diesem Thema zuzusteigen. Ich habe schon meine Eltern, Nachbarn, Freunde und 3 Katzen beerdigt. Abschied nehmen von etwas das ich liebe, gehört nicht zu meinen hervorragenden Eigenschaften. Negrita wird 13 Jahre alt und Jeannie, 9 im Oktober diesen Jahres. Ich werde in dieser Woche noch 67 Jahre alt, meine Schwester demnächst 77, Sarah Ende des Jahres 40. Freunde berichten mir von schlimmen Krankheiten, die sie aktuell überstanden haben, usw.

Andrea berichtete, dass sie häufig alte kranke Hunde aus dem Tierschutz bei sich aufnimmt und diese dann noch ein paar, wenn auch wenige, gute Jahre bei ihr haben und sie, natürlich traurig ist, wenn sie gehen, doch auch eine Gefühl davon hat, dass da noch etwas ist, das weder zu sehen noch anzufassen ist. Dieses Gefühl gibt ihr Frieden.

 Ich weiß nicht aus welchem Grund, doch ich erinnerte mich genau in diesem Moment daran, wie sehr ich es, in diesem Jahr ganz besonders, genieße, im Wald das Vogelkonzert zu genießen, wenn ich mit den Mädels dort bin. Ich tauche ein in dieses Grün und lausche den unzähligen Vögeln und ihrem Gezwitscher und fühle etwas, das ich Glück nennen würde, oder Liebe.

 Und plötzlich hatte ich den Gedanken, dass es nur das ist, was zählt:

 Die Liebe!

Dieses mich überwältigende Gefühl! Dem ich in diesem Jahr nun wirklich sehr deutlich, immer und immer wieder begegne. Vielleicht nicht auf eine Weise, in der ich es erwarte, sondern eben anders.
Ich liebe es, wenn Negrita sich vor die offene Badezimmertür legt, die Augen schließt und darauf wartet, dass ich mich fertig mache, weil sie denkt, dass es dann nach draußen geht. Oder, Jeannie, die sich in der Küche einfindet, wenn ich dort anfange zu handtiere, weil sie hofft, etwas Fressbare würde für sie abfallen, usw. All die kleinen Begebenheiten im Alltag, die mich erfreuen, die ich liebe, weil sie mein Leben sind.
Mir ist klar geworden, dass ich mich viel öfters in diesem Gefühl befinden möchte. In dem Gefühl etwas zu lieben, etwas, das keinen materiellen Wert an sich darstellt, etwas, wie z.B. das Konzert der Vögel im Wald, das sie jedem Spaziergänger schenken. Mein Eindruck ist, dass meine Mutter mich genau daran erinnern will. Sie war ein durch und durch positiv denkender Mensch, auch wenn sie kein leichtes Leben hatte. Sie konnte fluchen und sich freuen und herzhaft lachen. Ich erinnere mich gerne an sie. 

Ja, genau, darum werde ich mich bemühen. Um diese Leichtigkeit des Lebens. Ich will mein Leben, meinen Alltag lieben. Ich will mich selber lieben, will lernen, dass ich wertvoll bin. Das mein Körper mich bisher begleitet hat und diese bis zum Ende meiner Tage tun wird. Ach ja, mein Ende. Ich werde mich bemühen daran ohne Angst zu denken, denn, wenn etwas sicher in meinem Leben ist, dann ist es der Tod. Andrea betrachtet ihn als ihren Freund, den sie gerne um Rat fragt. Soweit möchte ich im Moment noch nicht gehen. Doch, wenn ich mir das Gefühl der Liebe erhalte, darin bade, kann es sein, dass ich vor nichts mehr Angst haben werde, haben muss.

Was ist wirklich wichtig in meinem Leben? 
Ich denke, es ist die Liebe!

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