An dieser Stelle werde ich versuchen etwas Licht ins Dunkel deines fotografischen Wissens zu bringen und hoffe, ich schaffe es einmal in der Woche etwas zu schreiben, das informativ und hilfreich für dich ist.
Auch ich hasse Gebrauchsanweisungen, doch seit dem es die Digitale Fotografie gibt, muss es leider sein! Darum: bitte lese die Gebrauchsanweisung der Kamera, denn das hilft dabei die Technik der Kamera besser zu verstehen!!

WICHTIG

Du möchtest lernen zu fotografieren?
Dazu ist es m. E. wichtig, geradezu erforderlich, dass du wieder sehen lernst.
Und, dass du spürst, dass das Foto zuerst in deinem Kopf entsteht und die Kamera nur das Werkzeug ist, mit dem du dieses Bild sichtbar machen kannst. Das hört sich kompliziert an, ist es aber nicht.

Ich möchte dich darum eindringlich um Folgendes bitten:
Wenn du fotografierst, siehe dir genau an was du machst, denn ich möchte nicht, dass du meinst, dass du die Aufnahme später am Computer verbessern kannst. Das mag zwar möglich sein, ist aber nicht der richtige Weg zu einem guten Foto. Für mich gilt der Rat, den mein großes Vorbild Robert Capa*, seinen jüngeren Kollegen mit auf den Weg gegeben hat:

Wenn  das Foto nicht gut ist, warst du nicht nah genug dran.

*Robert  Capa ist durch seine Kriegsberichterstattung berühmt geworden.
Für dich heißt das, gehe einfach noch einen Schritt näher an das  Motiv ran – denn dann wird es ein gutes Foto. Und bitte schalte den Blitz an der Kamera ab.

OBJEKTIV

Das Objektiv ist einer der teuersten und wichtigsten Bestandteile einer Kamera. Ohne das Objektiv wäre die Fotografie, wie wir sie meinen, nicht möglich. Die Güte eines Objektivs zeigte sich durch seine Fähigkeit auch feinste Bildeinzelheiten exakt und scharf abzubilden.
Ein Objektiv besteht aus einer Anzahl von Linsen, die nach bestimmten optischen Gesetzen geschliffen, und dann, auf Grundlage ihrer späteren Bestimmung, zusammengesetzt werden. Ein Objektiv ist eine mechanische Einheit, die sich leicht und präzise bewegen lässt, um das Motiv scharf zu stellen.

In der Fotografie bestimmt die Brennweite des verwendeten Objektivs zusammen mit dem Aufnahmeformat, also der Größe des Chips, den Bildwinkel und damit den Bildausschnitt deiner Aufnahme. Ein Objektiv, dessen Brennweite etwa der Diagonalen des Aufnahmeformats (Größe des Chips) entspricht, wird als “Normalobjektiv” bezeichnet. Deine digitale Kamera ist höchstwahrscheinlich mit einem Zoomobjektiv ausgestattet und der Aufnahmechip hat in seiner Größe weder Ähnlichkeit mit dem Aufnahmematerial aus analogen Zeiten oder Aufnahmeformat  einer analogen Kamera. Daher entsprechen die Brennweiten nicht denen, die ich in analogen Zeiten verwendet habe, doch die Bezeichnungen  “Normal”, “Weitwinkel” und “Tele” sind zum Verständnis  dessen, um was es geht, immer noch hilfreich.

Lies bitte in der Gebrauchsanweisung deiner Kamera nach,  was der Hersteller zu den jeweiligen Brennweiten deiner  Kamera für Aussagen macht.

10 -30mm 1:3,5-5,6

So könnte es am äußeren Rand des Objektives deiner Kamera stehen. Nun meine Frage, wer weiß, was das bedeutet?
Die Angabe 10 – 30 mm meint den Brennweitenbereich dieses Objektives und die Angabe 1:3,5–5,6 die jeweils dazugehörige Blende, also Objektivöffnung.

Brennweite & Motiv

Die Wahl der Brennweite entscheidet über die Aussage und Wirkung eines Fotos. Lange Brennweiten holen das Motiv optisch nah ran, kurze Brennweiten können es auch entfernter abbilden, als du es mit deinem Auge siehst. Da der Aufnahmechip in der digitalen Kamera je nach Hersteller unterschiedlich groß ist, gibt es keine einheitliche Angabe der Brennweite und keine Vergleichsmöglichkeit mit den Brennweiten der analogen Fotografie, was für mich verwirrend ist. Da die Größe des Sensors, die Brennweite deiner Kamera und somit den Bildausschnitt bestimmt, ist es mir nur möglich, ganz allgemein etwas zu den unterschiedlichen Brennweiten zu sagen.

Normalobjektiv

Ein Normalobjektiv bildet die Motive in ihrer Perspektive wirklichkeitsgetreu ab, weil es dem Blickwinkel unseres Auges entsprechen soll und eignet sich daher für alle alltäglichen Situationen, weil es diese so abbildet wie du sie siehst.
In analogen Zeiten war das Aufnahmeformat einer Kleinbildkamera 24 x 36 mm und das “Normalobjektiv” betrug 50 mm.

Weitwinkel

… bedeutet einen großen Bildwinkel und eine hohe Schärfentiefe. Vorder- und Hintergrund des Motivs scheinen weit von einander entfernt zu liegen. Durch die Größe, oder besser die Kleine, des Chips in deiner Kamera gibt es beim Weitwinkel erheblich Einschränkungen, die aber nicht unbedingt auffallen müssen. Es kann z.B. sein, dass du einen bestimmten Abstand zum Motiv einhalten musst, damit die Kamera dieses überhaupt scharf abbilden kann. In analogen Zeiten und auch heute mit meiner Vollformatkamera sind meine Weitwinkelojektive 24 mm und 35 mm.

Teleobjektiv

Vorder- und Hintergrund, scheinen bei dieser Brennweite nah zusammen zuliegen. Diese Brennweite hat eine sehr geringe Tiefenschärfe. Eine lange Brennweite kann größere Entfernungen überbrücken, also weit entfernte Motive optisch an uns ran  holen.

Ein 85 mm Objektiv ist ein Teleobjektiv und meine bevorzugte Portraitbrennweite und ich arbeite mit einer Vollformatkamera, was meint, der Aufnahmechip entspricht dem früheren Kleinbildformat von 24 x 36 mm.

Zoomobjektiv

Ein Zoomobjektiv oder kurz Zoom ist ein Objektiv mit variabler Brennweite. (Daher auch „das Zoom“ und nicht „der Zoom“,  wenn das Objektiv gemeint ist). Die Größe des Arbeitsbereichs eines Zoomobjektivs wird mit dem Zoomfaktor beschrieben. Die technisch korrekte Bezeichnung für derartige Objektive ist pankratisches System (von altgriechisch pan = alles und kratos = Macht, das heißt also: eine „allmächtige“, über alle Vergrößerungen beziehungsweise Brennweiten verfügende optische Konstruktion).
Es wird in optischem und digitalem Zoom unterschieden.
Schau’ bitte in deine Gebrauchsanweisung, was deine Kamera  hat. Beim optischen Zoom wird tatsächlich die Brennweite gewechselt, beim digitalen Zoom nur der Bildausschnitt vergrößert. Hierbei kann es, bei geringer Kameraauflösung, zu Unschärfen  kommen, weil das Motiv durch einen bestimmten Algorithmus nur größer „gerechnet“ wird. Da die neuen Kameras über eine ausreichende  Auflösung, also Pixelmenge verfügen, kann es schon ganz reizvoll sein, bestimmte Motive mittels des digitalen Zooms näher ranzuholen, auch wenn diese insgesamt leichter unscharf  wirken können.

Welche Brennweite hat das Objektiv an deiner  Kamera?
Welche wird vom Hersteller als Normalbrennweite  bezeichnet, siehe bitte in der Gebrauchsanweisung  nach.

Lichtstärke

Als Lichtstärke bezeichnet man in der Fotografie das Verhältnis der größten wirksamen Blendenöffnung zur Brennweite eines  Objektivs – 1:3,5 z.B. bedeutet die kleinste Blende an diesem Objektiv ist 3,5, was nicht sehr lichtstark ist. Andere Bezeichnungen für die Lichtstärke sind:  maximales Öffnungsverhältnis,  relative Öffnung oder geometrisches Öffnungsverhältnis.
Die Lichtstärke ist neben der Brennweite der wichtigste Kennwert eines Objektivs. In der analogen Fotografie gelangen mit lichtstarken Objektiven eher Motive bei schlechten Lichtverhältnissen. Bei deiner digitalen Kamera hat sich die Wichtigkeit etwas relativiert, da du ja die Lichtempfindlichkeit (ISO) deines Chips  beliebig erhöhen kannst.

Festbrennweite

Ich persönlich bin ein Fan der Festbrennweite und damit arbeite ich auch überwiegend. Dir würde ich empfehlen ebenso zu starten, denn anders lernst du nicht, dass das Bild zuerst in deinem Kopf entstehen muss und die Kamera nur das Werkzeug ist, das dieses Bild sichtbar macht. Ein Zoomobjektiv verleitet m.E. zum “spielen” mit der Brennweite.