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Selbstportrait – 1983 im Februar

Leidenschaft!

Gemeint ist eine Art von Passion und Besessenheit. Doch auch jede Menge Freude, Lust und eine große Portion Idealismus und vor allem Intensität. Ich spreche von der Bedeutung der Fotografie für und in meinem Leben.

Schon vor langer Zeit habe ich gesagt, dass die Fotografie wohl die größte Leidenschaft meines Leben ist. Mit der Anmerkungen, Männer würde kommene und gehen, doch die Fotografie würde bleiben. Rückblicken, ich bin nun 69 Jahre alt, kann ich das nur bestätigen. Die Fotografie nimmt einen wirklich großen Raum in meinem Leben ein und bestimmt manchmal auch seinen Rhythmus.

Ich erinnere mich an eine Situation aus meinem Studium. Da habe ich mich mit einem Kommilitonen über Fotografen und deren Arbeiten unterhalten, und, ohne etwas in Händen zu halten, wussten wir immer von welchem Foto der andere gerade sprach, die jeweilige Fotografie entstand in meinem Kopf, ich konnte sie sehen. Wenn ich mir einen Bildband einer Fotografin oder eines Fotografen ansehen, dann falle ich in diese Bilderwelten und genieße es sehr.

Ich hatte in der Vergangenheit oft Praktikantinnen, und die befragten mich gerne zu fotografischen Themen. Ebenso wie sie, war ich dann erstaunt, wie leicht ich mir die Antworten, ohne lange nachdenken zu müssen, quasi „aus dem Ärmel“ schütteln konnte. Ja, in meinem Kopf befindet sich offensichtlich viel Wissen über die Fotografie, schließlich beschäftige ich mich mein Lebenlang damit.

Im Zusammenhang mit meinem Vorhaben am 1. Juni 2020 meine Retrospektive zu eröffen, ist mir aufgefallen, dass ich mit der analogen Fotografin, die ich in den erst 25 Berufsjahren gewesen bin, nicht mehr verbunden        gewesen bin, sie war total ausgeblendet. Das ändert sich gerade und damit entstehen viele Fragen. Bei dem Versuch diese zu beantworten, ist mir etwas aufgefallen. Dafür gibt es sogar einen Namen:

Das Impostor-Syndrome

Gemeint sind massiven Selbstzweifeln hinsichtlich seiner eigenen Fähigkeiten und Leistungen.
Psychologische Studien aus den 1980er Jahren schätzen, dass zwei von fünf erfolgreichen Menschen sich selbst als Hochstapler einstufen. Andere Studien gehen davon aus, dass 70 Prozent aller Menschen sich unter bestimmten Umständen oder Zeiten als Hochstapler fühlen.

Zum Ende meines Studiums hatte ich manchmal die Fantasie, dass Jemand aufsteht und mich als eine Person „entlarvt“, die ihr Wissen und ihre Fähigkeiten nur vorgibt, sie aber tatsächlich nicht hat. Mich wundert es daher nicht wirklich, dass Pauline R. Clance und Suzanne A. Imes, die den Begriff Impostor – Syndrom eingeführt haben, davon sprechen – erstmals in einem Artikel aus dem Jahre 1978 -, dass viele sehr erfolgreiche Frauen glauben, dass sie nicht besonders intelligent wären und ihre Leistungen von anderen überschätzt würden?

Mir hat sehr gut gefallen, dass Sie sich Zeit genommen haben für ein erstes Vorgespräch und Kennenlernen. Während des Shootings haben Sie sich sehr gut auf meine Persönlichkeit und Bedürfnisse eingelassen und mir jederzeit ein gutes Gefühl gegeben. Die Ergebnisse sind von sehr gute und hoher Qualität. Sie sind ästhetisch und eine wundervolle Erinnerung für die Ewigkeit. Sie haben einer sehr fröhliche, offene und gleichzeitig professionelle Art. Sie geben den Menschen, vor allem in intimen Shootings, ein sehr gutes Gefühl. Man kann sich bei Ihnen und Ihrer Arbeit nur wohlfühlen.

Wie gehst du mit Lob um?

Ich habe für mich erkannt, dass es mir schwerfällt, oder, dass ich sogar unfähig bin, Lob, Anerkennung und persönlichen Erfolge wirklich zu internalisieren. Da sind immer noch „Stimmen“, die mich davon überzeugen wollen, dass meine Erfolge „erschlichen“ sind. Die Anerkennung, die ich für meine Fotografie in den Sozialen Medien mittels „likes“ bekomme, oder die Unterstützung für die geplante Retrospektive, alles das, was als meine „Leistungen“ von anderen gesehen und gefeierte wird, fällt für mich leicht in die Rubrik „Überschätzung“. Und ich warte auf den Moment , in dem diese Blase platz und ich mit aller Wucht wieder in der Realität lande.

Viel mehr als für die Fotos, die ich heute in den Händen halte, möchte ich mich bei Ihnen bedanken für ihren unermüdlichen Zuspruch, ihr Interesse an meiner Zufriedenheit als auch für die Begeisterung mich in meiner besten Version vor ihre Linse zu bekommen. Ihre Art und Weise, mir sowohl den Mut zu mehr Selbstvertrauen und Selbstbewusstsein zu entlocken als auch die Akzeptanz des eigenen Körpers zu verstärken – mit allen Mitteln (meiner Lieblingsmusik in vollem Klang auf den Ohren und dem kalten Prosecco am Set)- begeistert mich. Das Kribbeln im Bauch vor dem Termin war nicht zu vergleichen mit den Endorphinen am Nachmittag nach dem Shoot. Ich fühlte mich toll, gut aussehend und als starke selbstbewusste Frau. Das Strahlen in meinem Gesicht hat meine Mitmenschen angesteckt und trug viel für eine schöne Zeit bei. Sie haben mir Kraft gegeben und das Beste aus mir herausgeholt. Die entstandenen Ergebnisse sind einfach wunderschön und atemberaubend, einfach eingefangene Glücksmomente an die ich mich gerne erinnern und mit meinen Liebsten teilen möchte. Machen Sie weiter so, geben Sie den Menschen vor Ihrer Kamera von ihrer Passion ab und bringen Licht in den oftmals grauen, tristen Berufsalltag.

Es ist wirklich kurios, den Menschen vor meiner Kamera begegne ich mit einer hohen Wertschätzung und mit viel Empathie, mir selber gegenüber scheint mir das nicht wirklich möglich zu sein. Und das geht schon seit Jahren, fast bin ich geneigt zu sagen schon IMMER so. Mich selber anzunehmen scheint für nicht möglich zu sein.  Wie kann das sein?
Im Zusammenhang mit den Vorbereitungen für meine Retrospektive, denke ich viel über mein Leben nach und versuche biographische Eckdaten zusammen zutragen. Dabei ist mir aufgefallen, und das ist nicht wirklich leicht zu verdauen, dass ich mich offensichtlich massiv selber daran gehindert habe Erfolg zu haben, oder, wenn ich ihn hatte, habe ich nicht daran angeknüpft, um auch weiterhin Erfolg zu haben.

Nun sage ich ja auch gerne, dass ich die, die ich heute bin, bin ich aufgrund der vergangenen 69 Jahre.
Das ist richtig, doch im Moment sind diese Erkenntnisse auch schmerzhaft unter der Überschrift: Was wäre gewesen wenn? Den Schmerz darüber zu fühlen und kurz zuzulassen ist ok, doch dann geht es weiter. Ich will mein ganzes Potential leben und mich von nichts davon abhalten lassen, vor allem nicht von mir selber. Ich will weder bedauert werden, noch mich selber bedauer.

Was ich jedoch will ist, auf dieses Problem aufmerksam machen. Eine Reaktion darauf war diese:

“Zu mir als Jugentliche hat mal eine Trainerin (Sport) gesagt, als ich ein paar kleine, aber sehr wohl verdiente Erfolge kurz nacheinander hatte; Ich solle jetzt nicht zu Höhenflügen ansetzen! Also nicht denken, dass ich jetzt immer so erfolgreich sein werde und mir nichts darauf einbilden soll. Da war ich als sehr bescheidenes, zurückhaltendes Mädchen total verblüfft und dachte seit dem, man darf sich über Erfolg nicht freuen. Traurig so etwas zu einer Schülerin zu sagen, die gerade eine gute Leistung erbracht hat. So können auch Selbstzweifel entstehen.”

Unfassbar, oder!

Wer hat Ähnliches erlebt?
Geht es dir auch so?
Hattest du auch schon mal solche Gefühle wie ich sie beschrieben habe?
Es würde mich sehr freuen von dir zu lesen

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